Die Epoche der Anwälte

flickr. / Christophe André

In einer Zeit, in der jeder mit dem Presslufthammer auf sein Recht pocht, gehört es auch zum guten Ton, den Mitmenschen bei der kleinsten Kleinigkeit gleich und mit aller Entschlossenheit in Grund und Boden zu verklagen.

Mal klagt die eine Partei gegen die andere, mal verklagt man sich in einer Partei gegenseitig. Dann wird Frau Merkel verklagt und dann wieder der böse Deutsche, der einem Moslem den Parkplatz weggeschnappt hat, ja selbst die Linken beharren auf ihren Rechten und gehen dafür durch jede Instanz, wenn es denn den anderen schadet.

Deutschland ist zum Land der Klagegeister mutiert, in dem es von beleidigten Leberwürsten wimmelt und Anzeigen gegen Volksverhetzungen zum Volkssport geworden sind. Wir reiten auf den Paragraphen im Schweinsgalopp mit dem Gesetzbuch als neuer Bibel in der Hand.

Das gesellschaftliche Klima ist in Deutschland mittlerweile dermaßen vergiftet, dass jede Diskussion, jede politische Auseinandersetzung, jede Debatte, jeder Disput vor dem Kadi landet. Politische Kontrahenten haben sich zu Todfeinden gemausert, unterschiedliche Sichtweisen und Anschauungen werden mit Stacheldraht gesichert, Provokationen mit Kanonenschlägen beantwortet.

Irgendeiner fühlt sich immer von irgendjemanden wegen irgendetwas beleidigt. Trainingskurse für Schnappatmung und Wehklagen stehen hoch im Kurs. „Nicht ohne meinen Anwalt“, lautet die Losung, wenn man aus dem Haus geht, und fast jede Begegnung endet in einem Rechtsstreit. Kläger und Beklagte – unzertrennlich, bis das der Richter sie scheide.

Tief Luft geholt wird nur noch im Keller, wenn es keiner mitkriegt.

Kandierte Zankäpfel, beleidigte Leberwurstbrote gehören schon längst zu den Grundnahrungsmitteln, die unsere Magensäure kochen lässt, die Streitaxt ist mittlerweile fester Bestandteil jeder gepflegten Unterhaltung. Jeder Husten ist justiziabel. Zum Mittag wird das Amtsgericht serviert. Kanzleien sind die neuen Wohnzimmer für Bürger, die ihre Angelegenheiten nicht mehr alleine regeln können. Man schaltet lieber gleich den Anwalt ein, anstatt das eigene Gehirn. Das Urteilsvermögen wird Dritten in die Hände gegeben, bei Fehlurteilen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Es ist die Epoche der Anwälte, der Richter und Staatsanwälte hinter denen sich die Feiglinge verstecken, wenn sie ihre hinterfotzigen Angriffe auf die Andersdenkenden, Kontrahenten und Nachbarn starten.

Die Juristen können dabei nicht verlieren, sie erhalten ihr sicherlich wohl verdientes Honorar, egal, wie die Prozesse ausgehen, entweder von ihren eigenen Mandanten oder vom Mandanten der Gegenseite.

Die Gerichte sind entsprechend überlastet, so dass die wirklich wichtigen Dinge bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag aufgeschoben werden müssen, weil sie sich alle auf Nebenkriegsschauplätzen herumtummeln und nicht mehr herausfinden.

Was waren das für Zeiten, in denen man noch mit offenem Visier gestritten hat, sich ohne Zeugen gegenübersitzen konnte und Meinungen ausgetauscht hat, ohne dass diese strafrechtlich relevant wurden? Da wurde auch mal mit der Faust auf den Tisch gehauen, ohne dass hinterher das Möbelhaus wegen gravierenden Materialfehlern verklagt werden konnte.

So pervertiert ist unser „Rechtssystem“ bereits, dass mittlerweile selbst kulturelle Angelegenheiten vor Gericht landen, billige Witze in teuren Strafverfahren enden, die freie Meinungsäußerung hinter schwedischen Gardinen verschwindet und selbst irgendein dahergelaufener Ausländer sich über seinen Anwalt in unsere inneren Angelegenheiten einmischen darf.

Typisch für Deutschland ist es auch, dass sogar so genannte Flüchtlinge sich hinter Anwälten verschanzen können, um diejenigen, die für ihr Leib und Wohl bezahlen, noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen.

Ein Ergebnis dieses allumfassenden Rechtssystems, dass das normale gesellschaftliche Miteinander abgelöst hat, ist auch unser Justizminister.

Der heißt Heiko Maas, und den haben wir uns mittlerweile redlich verdient.

 

Bildquelle: Copyright: flickr./. Christophe André

Thomas Böhm
Vom Autor sind im Juwelen-Verlag „Des Wahnsinns fette Leute“, „Das Parlament der Tiere“ und „Soweit die Stiefel tragen“ erschienen. Er ist Inhaber des meinungsstarken Blogs „Journalistenwatch“.

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