Kaffee oder Tee?

flickr. / András Fülöp

Sie haben die “freie Wahl”. Eine Cola ließe sich ja noch machen, aber wenn Sie nichts trinken wollen, sondern einen Schweinebraten essen, befinden Sie sich am falschen Ort.

Beginnen wir mit der Kernbehauptung dieses Essays: Wahlen sind ein sekundäres System, innerhalb einer primären Organisation. Eine untergeordnete Entität kann (innerhalb der zugewiesenen Funktionen) seine übergeordnete nicht verletzen.

Wahlen eignen sich deshalb grundsätzlich nicht zu revolutionären Änderungen.

Grundprinzip einer Organisationen ist es, sich selbst vor Zerfall oder äußeren Einflüssen zu schützen. Staaten sind in erster Linie “Schutzorganisationen”. Ihre Bürger bezahlen Schutzgelder in Form von Steuern. Dafür kann er Gegenleistungen erwarten. Zur Urzeit der Staatenbildung umfasste dieser Service, hauptsächlich, Schutz vor marodierenden Horden, ein Rechtssystem und Nahrungsmittelspeicher für Missernten.

England zeigte schon im 13. Jahrhundert mit der Magna Carta, dass das System, die Regierungsform, weniger wichtig ist als die Gesellschaft, die mit ihren Eigenschaften dahinter steht.

So gibt es Völker, die seit ihrem Bestehen nur mit autoritären Regierungen als Nation überlebensfähig sind und bei jedem “Demokratisierungsversuch” kläglich in die Anarchie rutschen. Ich behaupte, dass Wahlen eine wirkliche freie und gerechte Gesellschaft verhindern. Warum dies so ist, liest man bei Le Bon, in “Die Psychologie der Massen”.

Die Kapitel “Die Wählermassen” und “Die Parlamentsversammlungen” sind für diese Zwecke besonders interessant.

Unter anderem schreibt er: “Es ist nicht in Abrede zu stellen, dass die Kulturen das Werk einer kleinen Minderheit überlegener Geister gewesen sind; diese bilden die Spitze einer Pyramide, deren Stufen nach unten gemäß der Abnahme des geistigen Wertes breiter werden und die tieferen Schichten eines Volkes darstellen.”

“Der Glaubenssatz von der Herrschaft der Massen ist vom philosophischen Standpunkt ebenso wenig zu verfechten wie die religiösen Glaubenssätze des Mittelalters, aber er hat heute die unumschränkte Macht.”

“Ich wiederhole: in der Masse gleichen sich die Menschen stets einander an, und die Abstimmung von vierzig Akademikern über allgemeine Fragen gilt nicht mehr als die von vierzig Wasserträgern.”

“Ein Volk hat also keineswegs die Macht, seine Einrichtungen wirklich zu verändern. Gewiss kann es um den Preis gewaltsamer Revolutionen ihre Namen ändern, aber der kern bleibt derselbe. […] So ist England das demokratischste Land der Welt, obwohl es eine monarchistische Regierung hat, während in den spanisch-amerikanischen Republiken trotz demokratischer Verfassung die härteste Despotie herrscht.“

Amartya Sen schrieb: „liberal democracy is the default political condition”.

Eine doch unerstaunliche Behauptung eines Universitätsprofessors, der für seine “sozial-ökonomischen” Leistungen ausgezeichnet wurde. Als behauptete man, der Grundzustand eines unbeeinflussten Atomkerns sei der Ruhezustand. Francis Fukuyama dagegen erkennt zurecht, das ein erfolgreiches Regierungssystem auf den kulturellen Institutionen eines Volkes beruhen muss (“The origins of political order”, 2011). Amerika wurde nicht zur bewunderten, freiesten und mächtigsten Gesellschaft, weil jeder Cowboy und sein “Roter Bruder”, jeder Pelzjäger und chinesischer Tellerwäscher, jeder Spekulant und Negersklave seine Stimme abgeben konnte.

Maßgebend waren die gleichen Interessen aller weißen Siedler und die Kultur von Selbstverantwortung, Neidlosigkeit, Fairness und Respekt.

Dies sind alles Dinge, die durch entstehende Parteistrukturen, eingewanderte Finanzmonopolisten (Rothschilds) und den Sozialismus – in demokratischer Weise – weggewählt wurden.

Viele Politiker und Meinungsmacher verwechseln Staatsform mit Wirtschaftssystem. So entgeht ihnen die Tatsache, dass es ohne Kapitalismus keine Demokratie geben kann, wohl aber einen Kapitalismus ohne die Demokratie (Beispiele: Hong Kong, China, Vietnam) und, dass außerdem die moderne Demokratie einen reinen, gleichberechtigten Kapitalismus verhindert. Der Kern eines fairen Wirtschaftssystems ist die Selbstverantwortung, genau die wichtige Eigenschaft, die der Einzelne durch Wahl von  Vertretern und Vormunde abgibt. Von denen erhalten Sie dann das Menü: Kaffee oder Tee?

 

Bildquelle: Copyright: flickr./. András Fülöp

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2 Comments

  1. 1

    Na das ist ja nicht falsch, nur dass die Steuern keine „Schutzgelder“ sind.
    Denn wir Steuerzahler werden von diesem Regime wehrlos der Massenzuwanderung ausgeliefert, weil der Staat seinem Grenzschutz nicht nachkommen wollte und geltendes Recht brach. Mittlerweile ist unsere Steuerzahlung auch unwichtig: wenn zuwenig Steuern einkommen, erhöht die Regierung einfach die Kreditaufnahme. Wobei man das Wort Kredit in Gänsefüsschen setzen müsste, weil dabei mittlerweile die Grundsätze früherer ordentlicher Kreditvergabe mißachtet werden.
    Und Demokratie? Das hängt doch von den handelnden Personen ab!
    Auch in Vietnam oder in Hong Kong gibt es ein Parlament und eine Gewaltenteilung. Aber die Ausführung hängt von den dort handelnden Personen ab. Wie immer und überall auf der Welt. Gelle?

  2. 2

    Da haben Sie recht. Das ursprüngliche Konzept der Steuern wurde schon lange verlassen. Deshalb sehe ich auch keinen moralischen Anlass, Steuern zu leisten, nur einen gewaltsamen Zwang. MIt dem Bundeshaushalt ist es wie mit „Mein Kampf“, Jeder regt sich darüber auf, die wenigsten haben ihn gelesen. :-)

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