Vom Kohleklau zum Energieräuber – wie Nazi-Propaganda zur modernen Aufklärung wird

flickr. / Steffen Zahn

Wir müssen Energie sparen. Wer würde daran zweifeln? Energie ist uns lieb und teuer. Hauptsächlich Letzteres.

Aber das ist ja gewollt.

Denn verbrauchen wir zu viel Energie, dann kommt der Klimakollaps, und wir müssen alle sterben. Das wissen schließlich schon Kinder.

In jedem Kindergarten und in jeder Schule wird den Kindern bereits erklärt, wie wichtig Energiesparen ist. Malwettbewerbe, Referate, Graffitiwettbewerbe, Musicals, Aktionstage – die Palette ist groß. Auch der Buchsektor surft auf dieser Welle. Der Carlsen Verlag verkauft seit 1954 seine Pixi-Bilderbücher. Zielgruppe dafür sind die Drei-bis Siebenjährigen. Im Büchlein „Es wird heiß im ewigen Eis“ schmilzt den Eisbären das Packeis unter den Pfoten davon.

Aber es gibt Hoffnung!

Denn in einer Reihe „Käpt’n Klima“ gibt es auch ein Heft, das sich den Stromfressern widmet: Fiese, stromfressende Monster lauern überall. Sie tummeln sich an Lampen, Spielsachen und Computer. Aber zum Glück weiß Käpt’n Klima, wie man sie verjagt und wie man Strom sparen kann.

Bei so viel kindlicher Aufklärung will das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit nicht nachstehen. Auf der Seite für Kinder erklärt das Ministerium, dass der Hauptverursacher des Klimawandels der Mensch ist. Und es hat natürlich auch gleich ein paar ganz tolle Energiespartipps parat mit denen man mithelfen kann, die Welt vor dem Hitzetod zu retten:

„Bevor ihr zu Hause die Heizung anstellt: Wie wär’s mit einem schönen, warmen Pullover?“, fragt das Bundesministerium für Umwelt.

Ja, so was hat der rumänische Diktator Nicolae Ceausescu vor knapp 30 Jahren auch schon mal in der Realität praktiziert, indem er die Temperaturen der Wohnungen drosselte. Es durfte auch pro Haushalt nur eine 25-Watt-Glühbirne eingesetzt werden. Strom wurde ohnehin rationiert. Das muss für unsere „Grünen“ oder anderen vermeintlichen Klimaschützer ein Paradies dort gewesen sein. Denn auch das Benzin war rationiert, ein Auto besaßen ohnehin nur 5% der Bevölkerung und nur 15% einen Staubsauger oder nur 20% einen Kühlschrank. Ein Volk der Energiesparer!

So manche Diktatur war beim Energiesparen ganz offenbar seiner Zeit weit voraus – wir haben es damals womöglich nur nicht verstanden!

Zurück zum Bundesministerium, das noch andere bemerkenswerte Tipps auf Lager hat: „Verabrede dich mit deinen Eltern und Freunden zu einem „stromfreien Tag“. Lasst einfach mal das Licht aus und spielt im Freien.“

Was für ein Vorschlag. Also im Normalfall schaltet man das Licht erst ein, wenn es dunkel ist. Die Kinder sollen das Licht in der Dunkelheit nun nicht einschalten und dafür dann im Freien spielen.  Im Dunkeln? Ja, um so einen Unsinn zu erzählen, muss man ideologisch sehr gefestigt sein. Ein stromfreier Tag? Muss man dann den Kühlschrank und die Gefriertruhe abschalten? Was gibt’s zu essen? Duschen mit kaltem Wasser? Ohne elektrische Pumpe mag auch die Gasheizung nicht. Ein stromfreier Tag ist schon im Sommer nicht machbar – und im Winter schon zweimal nicht. Nicht mal im Ministerium.

Oder wie wäre es mit einem familieninternen Duschwettbewerb?

„Wer ist zuerst mit dem Duschen fertig ?“ – Das ist ein weiterer Vorschlag des Bundesministeriums (denen muss echt langweilig sein). Nun, wer wird wohl zuerst fertig sein mit dem Duschen? Klar, derjenige, der zuerst in die Dusche geht. Spaß beiseite, der Schnellste in der Dusche mag dann zwar gewonnen haben, aber womöglich ist er nicht sauber geworden. Aber so kleinlich darf man bei der Rettung der Welt eben nicht sein. Da muss man schon auch mal Opfer bringen können. Meist wird dabei aber leider die Wissenschaft geopfert.

Die Stadt Detmold bemüht sogar das Kasperltheater für seine Propaganda, Verzeihung, für seine Aufklärungs-und Bildungsmaßnahmen. Das Stück heißt „Kasper und die Energieräuber“! Früher sparte man Geld (das dann manchmal auch geraubt wurde). Heute spart man Energie – aber auch die wird geraubt! Es gibt Energieräuber.

„Wir dichten die Ritzen und Spalten der Türen und Fenster ab,…wenn wir alle das tun, dann sparen wir in einem Winter viele tausend Zentner Kohle.“

Oder: „Wie viel heißes Wasser braucht man zum Rasieren? Einen ganzen Eimer? Nein, wir machen diese nutzlose Verschwendung nicht mit. Jeder Vernünftige kommt mit einem kleinen Schälchen aus. Wir gehen alle sparsam mit dem heißen Wasser um, denn es kostet ja Kohle, Strom oder Gas.“

Oder: „Es zieht kalt ins warme Zimmer. Im leeren Zimmer brennt Licht. Das Radio spielt ohne Zuhörer. Der falsch geheizte Ofen wärmt schlecht.“

Das kennen wir ja alle, hören wir ja ständig.

Das hätte Energieminister Gabriel nicht besser formulieren können.

Es stammt zwar aus einem Ministerium, aber nicht aus seinem.

Es ist aus Zeiten der Nazi-Diktatur!

Überall, wo wertvolle Kohle, Strom und Gas vergeudet werden, hat Kohleklau seine Hand im Spiel. Kohleklau, so nannte man den Energieräuber der Nazizeit. Am 23.6.1942 wurde von einer eigens dazu gegründeten Propagandaabteilung begonnen, die Menschen zum Energiesparen, insbesondere zur Einsparung von Brennstoffen, zu bewegen.

Im Jahr 1942 wohlgemerkt, nicht im Jahr 2016.

In Beiträgen in Zeitungen, Magazinen und sogar auch in für Schüler produzierten Lehrfilmen wurde der Energieräuber Kohleklau unters Volk gebracht, um ihn zu lehren, wie man Energie sparen kann. Genauso wie heute!

Aber das alles ohne das Kohlendioxid und eine Klimakatastrophe zu bemühen!

Bei Wikipedia wird Kohleklau als Nationalsozialistische Propaganda gelistet.

Bei uns nennt man das nun einfach nur Aufklärung.

Während solche Energiesparmaßnahmen bei den Nazis noch durch eine Propagandaabteilung koordiniert wurden, macht das bei uns u.a. das Bundesumweltministerium. So ändern sich die Zeiten und Begriffe.

Während Diktaturen oder auch der IS Kinderkrieger haben, gibt es bei uns Kinder-Klima-Kämpfer!

Wie werden zukünftige Generationen über die heutige Zeit urteilen? Werden sie sie als Öko-Diktatur bezeichnen und das, was wir als Aufklärung bezeichnen, als Propaganda deklarieren?

 

Bildquelle: Copyright: flickr./. Steffen Zahn

Günther Vogl
ist Autor des Buches „Die erfundene Katastrophe“, das im Juwelen-Verlag erschienen ist.

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7 Comments

  1. 1

    Stammt das: „Bevor ihr zu Hause die Heizung anstellt: Wie wär’s mit einem schönen, warmen Pullover?“ wirklich vom Bundesministerium für Umwelt, dem Ministerium von Barbara Hendricks?
    Da war doch mal ein Berliner Senator der eine ähnliche Aufforderung an Hartzer richtete, hieß Sarrazin! Was hat er für diese Äußerung Prügel bezogen!

  2. 2

    Ja, das ist richtig. Sarrazin hat das damals auch mal gesagt-und wurde gescholten. Aber meine Aussage ist zitiert aus der offiziellen Seite des Umweltministeriums! Kommt eben drauf an wer was sagt.

  3. 3

    Der gute Thilo hatte aber den taktischen Fehler begangen, außer der Geschichte mit dem Pullover auch vorzurechen, wie man mit einem gegebenen Eurobetrag über die Runden kommt, ohne Hunger leiden zu müssen. Da waren Lebensmittel für eine Person und der durchschnittliche Supermarktpreis aufgeführt.
    An sich völlig richtig, aber eben derselbe taktische Fehler wie diesen Frauke Petry beging. Petry hatte auf die Frage eines Journalisten nach einem möglichen Waffeneinsatz an der Grenze gegen Fluchtliesl geantwortet, dass dieser als Ultimo Ratio nicht ausgeschlossen werden könne.
    Das ist völlig richtig, aber Petry hätte wissen müssen, dass die linksgewirkte Journaille den Satz umdrehen würde in: „Petry befürwortet Schusswaffeneinsatz gegen Flüchtlinge!“
    Dabei wusste Petry ganz genau, mit wem sie es zu tun hatte.
    Die AfD ist aber mit dem neuen Pressesprecher Klonowski gerade dabei professioneller zu werden. Und das ist gut so.

  4. 4

    Ich bin seit 30 Jahren in der Politik, seit 5 Jahren Stadtrat. Es ist schier unglaublich mit welchen unfairen Mittel da gearbeitet wird. Ich kann das blöde Geschwätz von Ehrlichkeit, Demokratie, Fairness, Miteinander, zum Wohl der Bürger usw. nicht mehr hören. Hat man eine andere Meinung wird man ausgegrenzt, sozial geächtet, ignoriert – und zudem hat man mitunter auch finanzielle Nachteile. Das System sorgt schon dafür dass es nicht zu viele Abweichler gibt.

    • 5

      Ich kann vor allem die einfältige Visage der Chefin nicht mehr sehen.
      Neue Leute an der Spitze braucht das Land.

  5. 6
  6. 7

    Ja, man kann den Menschen alles, aber auch wirklich alles erzählen – und sie glauben es. Statt seinen Kopf zu benutzen – was man mehr und mehr verlernt – schaut man, was die anderen machen. Man schwimmt mit. Das reicht schon um auf der sicheren – und vermeintlich richtigen – Seite zu sein. Wir sind gerade dabei die Erde wieder zur Scheibe zu machen.

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