Religion, krieg dich mal wieder ein! Die Erschöpfungsgeschichte, nacherzählt …

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Als der liebe G-Punkt an diesem weltberühmten Samstagabend seine Schöpfung endlich abgehakt hatte, lehnte er sich zufrieden zurück, schenkte sich eine Handbreit Single Malt ein und genoss von seinem Aussichtspunkt das Ergebnis – wie es so seine Art war – von oben herab.

Er hatte aber auch ein tolles Werk geschaffen. Tiere und Pflanzen fraßen sich auf der runden Kugel da unten gegenseitig auf und vermehrten sich, jeder auf seine Art, mehr oder weniger prächtig. Dazu tranken sie alle literweise Wasser.cover-boehm-280x210

Der liebe G-Punkt bevorzugte hingegen Whisky und schenkte nach. Nachdem die Flasche halb leer war, schwebte er auf Wolke sieben, wurde übermütig und hatte dann eine echte Schnapsidee.

Er erschuf den Menschen nach seinem Antlitz und fiel sturzbesoffen ins Koma.

Als er am nächsten Morgen wieder erwachte, wurde er von rasenden Kopfschmerzen geplagt – er hatte wahrlich einen ausgewachsenen Kater.

Er blickte auf die Erde hinab und musste zu seinem Schrecken feststellen, dass er da in seinem Rausch eine überflüssiger Materie erschaffen hatte. Ihm wurde speiübel und er musste sich erbrechen. So regnete Hirn auf die Menschen und sie machten sich die Erde untertan.

Es rumorte fortan gewaltig in den Gehirnwindungen. Einige Menschen fingen tatsächlich an zu denken und schnüffelten in der Natur herum. Sie schauten beim Biber am Fluss vorbei und bauten Staudämme, sie folgten den Steinen den Abhang hinunter, erfanden das Rad und wurden zu Radfahrern, sie betrachteten die Vögel in der Luft und bastelten Flugzeuge, sie entdeckten Termitenbauen und trieben Hochhäuser in den Himmel, sie guckten in die Erdlöcher und vermehrten sich wie die Kaninchen. Sie waren wirklich neugierig, schufen Meisterwerke, entdeckten und erfanden großartige Dinge. Alles hätte wunderbar so weiter gehen können.

Aber wie es nun mal so ist, wenn einem der Kopf schwer wird, weil man so viel denken muss, wurden immer mehr Menschen übermütig und arrogant. Sie schlachteten die Tiere ab und vernichteten das Unkraut, dass der Herr in seiner allumfassenden Güte und Weisheit ebenfalls erschaffen hatte.

Das Gehirn, als göttliche Kotze auf die Erde niedergeprasselt, entwickelte sich leider immer mehr zum Fluch für die Menschheit. Viele fingen an, über ihr Dasein zu sinnen und verzweifelten, weil sie sich im Gegensatz zu den Tieren und Pflanzen fragten, warum sie eigentlich so dämlich durch die Welt herum eierten und keine Antwort erhielten. Ganz besonders aber wurmte es sie, dass sie nicht ewig leben durften und das es ausgerechnet Würmer waren, die sich an ihnen labten, wenn sie wehrlos unter der Erde lagen.

Immer mehr Menschen wurden ob dieses Selbstzweifels lethargisch, beantragten Hartz IV und betäubten sich mit Drogen oder wurden böse, skrupellos, wollüstig und gewalttätig, füllten ihre Gehirnschalen mit Hass, Neid, Habgier und Missgunst.

Sodom und Gomorra, aber hallo!

Da wurde dem lieben G-Punkt erneut schlecht, obwohl er gar nichts getrunken hatte. Doch dieses Mal konnte er sich beherrschen und behielt seinen Mageninhalt für sich.

Irgendetwas musste er nun aber unternehmen, sollte sich die Situation auf seiner Lieblingskugel nicht weiter verschlimmern, irgendwie musste er die Notbremse ziehen. Da Sohnemann mit seiner Maria-Magdalena leider mal wieder auf Mallorca Liebesurlaub machte, schickte er einen Engel von der Ersatzbank auf die Erde, auf dass er aufräume und den Menschen Gottesfürchtigkeit beibringe, auch wenn es ihm das ziemlich wurscht war, ob seine missratenen Kreaturen an ihn oder an einen seiner himmlischen Kollegen glaubte. Aber nur eine gewisse Frömmigkeit, so zumindest glaubte G-Punkt zu diesem Zeitpunkt, könnte die Menschheit vor dem Untergang retten.

Doch auf dem Weg zur Erde stolperte dieser Engel, fiel hin und brach sich beide Flügel. Die Schuld für seinen Sturz schob er seinem Herren und Meister in die Quadratlatschen. Er wurde höllisch sauer, nannte sich fortan Luzifer und fuhr voller Zorn in alle Menschen, die nicht rechtzeitig auf die Bäume kamen.

Dabei ging er recht geschickt vor. Er machte zwar die guten Menschen fromm, wie es der Auftrag von ihm verlangte, er machte aber auch die bösen Menschen fromm, indem er ihnen versprach, dass sie sich fortan scheinheilig hinter ihrem Glauben verstecken konnten, wenn sie mal wieder eine Schandtat verüben wollten.

Außerdem machte er sich das Rudelverhalten der Menschen, dass sich diese von den etwas schlaueren Tieren abgeguckt hatten, zu nutze und gründete gleich mehrere Religionsgemeinschaften.

Der liebe G-Punkt bekam von all dem nichts mit. Er hatte sich wieder der Trunksucht hingegeben und so konnte Luzifer auf der Erde schalten und walten wie er wollte. Um aber ganz sicher zu gehen, öffnete er noch seinen Beutel und säte einige Tonnen Zwietracht unter die Leute.

Anschließend, um sein Teufelswerk zu vollenden, suchte er sich einige der skrupellosesten Menschen aus, machte sie zu Religionsführern, versprach ihnen dafür viel Macht, noch mehr Einfluss und jede Menge Kohle.

Übereifrig wie der Mensch nun mal wird, wenn er vom Teufel geritten wird, fingen die Religionsführer an, ihre Schafe zu brandmarken, zu zerstückeln und unter Wasser zu tauchen, auf dass man sie von den anderen, konkurrierenden Herden unterscheiden könne und hetzten sie gegeneinander auf.

So entstanden die Religionskriege, Luzifer aber ließ es sich nicht nehmen, sich selbst an die Spitze einer Armee aus Gotteskriegern zu stellen, die auf Grund ihrer Respektlosigkeit gegenüber den Andersgläubigen die beste Aussicht hatte, die endgültige Weltherrschaft zu übernehmen.

Dem lieben G-Punkt, der mal wieder in irgendeiner Bar herumlungerte und sich einen hinter die kosmische Binde kippen wollte, wurde ob des Krachs und den vielen Rauchwolken, die in den Himmel stiegen, gehörig die Partylaune verdorben. Angewidert schaute er nach unten und wurde mit einem Schlag nüchtern.

Doch dieses Mal fiel ihm nichts mehr ein, außerdem war sein Whisky alle.

Traurig und frustriert, dass in seinem Namen so viel Übel auf der Welt angerichtet worden war,  wendete er sich nun endgültig von den Menschen ab und schwor, bei der nächsten Schöpfung die Finger von Alkohol zu lassen und sich lieber einen fetten Joint reinzuziehen.

Nachdem er sich endgültig der unmöglichen Kugel abgewandt hatte, wurde ihm wieder leicht ums Herz und er sang sein Lieblingslied „Schön ist es auf der Welt zu sein, noch schöner ist es von ihr weg zu sein.“

Thomas Böhm
Vom Autor sind im Juwelen-Verlag „Des Wahnsinns fette Leute“, „Das Parlament der Tiere“ und „Soweit die Stiefel tragen“ erschienen. Er ist Inhaber des meinungsstarken Blogs „Journalistenwatch“.

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