Antisemitismusdebatten in Deutschland

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Es reicht nicht, wenn in Deutschland einer von sich selbst behauptet, daß er kein Antisemit sei. Bevor er das behauptet, haben andere längst herausgefunden, daß er einer ist.

Genau: Ich spiele hier auf die jüngste Peinlichkeit an, die sich die baden-württembergische AfD-Fraktion geleistet hat. Wer die Bücher nicht gelesen hat, die Wolfgang Gedeon unter dem Pseudonym „W.G. Meister“ verfasst hat, der kann sich selbst natürlich kein Urteil darüber bilden, ob Gedeon Antisemit ist oder eben nicht.1200x900-8-280x210

Ich habe sie nicht gelesen. Aus diesem Grund müsste ich mich, – wollte ich mir partout ein Urteil über Gedeons Antisemitismus bilden -, auf das verlassen, was die Presse zum Beweis seines Antisemitismus´ angeführt hat.

Ich nehme hier nur eine Zeitung, die „Junge Freiheit“, die ich für eine der besten halte. Dort ist die Rede davon, daß Gedeon das Holocaustmahnmal in Berlin kritisiert habe, daß er Mahler und Zündel, die beide wegen Holocaustleugnung einsitzen, als „Dissidenten“ bezeichnet habe – und daß er die Protokolle der Weisen von Zion für echt halte.

Das Holocaustmahnmal in Berlin haben aus einer Vielzahl von Gründen schon ganz andere kritisiert. Daß Geschichtsschreibung per Strafrecht in einem freiheitlichen Gemeinwesen ein absolutes Unding ist, haben ebenfalls schon ganz andere, des Antisemitismus´völlig Unverdächtige, zu bedenken gegeben. Es blieben noch die Protokolle der Weisen von Zion, von denen ich nicht weiß, warum Gedeon sie als echt bezeichnet hat.

Allgemein werden sie als Fälschung geführt. Daraus aber, daß sie jemand für echt hält, läßt sich nicht ohne weiteres ableiten, daß es sich um einen Antisemiten handeln muß. Wahrscheinlich ist das zwar, aber ein Beweis ist etwas anderes.

Mit der Feststellung, daß es seit Jahrhunderten immer wieder zu Pogromen an Juden gekommen ist und daß dies ganz offensichtlich nicht wegen der trauten Eintracht von Juden und Christen passierte, hat Gedeon natürlich recht. Luther zum Beispiel war alles andere als ein Freund der Juden – und der Hauptmarkt in Nürnberg, wo alljährlich der weltberühmte Christkindlesmarkt stattfindet, existiert erst seit dem 15. Jahrhundert. Bis dahin befand sich dort ein jüdisches Wohnviertel, das niedergebrannt worden ist und dessen Einwohner entweder verbrannten oder auf der Flucht erschlagen wurden.

Aber das ist alles nicht der Punkt.

Worauf ich hinaus will, das ist das Umfeld, in dem in Deutschland regelmäßig Hexenjagden auf echte und vermeintliche Antisemiten veranstaltet werden. Es ist nämlich keineswegs so, daß es in Deutschland keine überreichliche Auswahl an Antisemiten gäbe. Es gibt Antisemiten zuhauf! Und eigenartigerweise befinden sich darunter nicht wenige, die sich gerne an Antisemitenjagden beteiligen.

Es ist in Deutschland so, daß zwischen zwei Arten von Antisemiten unterschieden wird.

Diejenigen, die man kollektiv zur Strecke bringen will, gelten als „rechte Antisemiten“. „Linke Antisemiten“ bleiben ungeschoren. Die dürfen sich sogar noch an den Hetzjagden gegen die „rechten Antisemiten“ beteiligen. Oder anders ausgedrückt: vergangenheitsbezogener Antisemitismus gilt zu recht als verdammungswürdig, der gegenwartsbezogene völlig zu Unrecht hingegen nicht.

Man muß sich nur einmal die Kundgebungen und Pressekommentare vor Augen halten, die es während des letzten Gazakrieges gegeben hat, um zu der Feststellung zu kommen, daß es in Deutschland nichts gibt, das von den Linken nicht für ihren „Kampf gegen rechts“ instrumentalisiert werden würde. Wenn man das noch ergänzt dadurch, daß diejenigen, vor denen sich Meuthen ducken zu müssen glaubte, zugleich auch diejenigen sind, die jedem, der eindringlichst vor der Islamisierung des Landes warnt – nicht zuletzt deswegen übrigens, weil sie eine enorme Gefahr für jüdisches Leben in Deutschland darstellt – , als einen Rassisten und Rechten bezeichnen; wer also den massenhaften Import von absoluten Antisemiten befürwortet einerseits, andererseits aber ein fanatisches Interesse daran zeigt, einen Gedeon zur Strecke zu bringen, der beweist damit, daß ihm jüdisches Leben maximal am Arsch vorbeigeht.

Sonst beweist er nichts.

Die einzigen, die sich hierzulande niemals selbst in Frage zu stellen haben; die einzigen, die sich hierzulande niemals an der eigenen Nase fassen müssen, das ist diese jakobinerhafte Linke, die deshalb beides sein darf: Antisemitisch und Ankläger des Antisemiten zugleich. Man darf deshalb getrost feststellen, daß es nur sehr, sehr wenigen Leuten in Deutschland überhaupt um jüdisches Leben geht, wenn sie eifrig Antisemiten identifizieren. Antisemit ist ganz einfach immer der Andere.

Aber es kommt noch dicker.

Noch nicht einmal dem Zentralrat der Juden in Deutschland oder sonst einer jüdischen Organisation dürfte es darum gehen, wenigstens heutzutage dafür zu sorgen, daß Juden sicher in Deutschland leben können. Zwar hat sich jüngst – sehr spät also – der Zentralrat der Juden besorgt über die Islamisierung Deutschlands geäußert, aber die ehemalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, hat zuvor noch die Behauptung hinbekommen, ein Dialog mit der AfD sei sinnlos.

Wenn das nicht Wahnsinn ist!? Eine ehemalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden verweigert den Dialog mit ausgerechnet derjenigen Partei, die am deutlichsten vor der Flutung des Landes mit den ärgsten Feinden der Juden warnt!? Das ist doch völlig bizarr!

Aber halt: Ist es das wirklich? Wie geht das zusammen? An diesem Punkt sind wir nun bei Daniel Goldhagen und Norman J. Finkelstein angelangt. Goldhagen brachte vor etlichen Jahren sein Buch „Hitlers willige Vollstrecker“ heraus, in dem er praktisch eine Kollektivschuld der Deutschen am Holocaust behauptet. Sein Buch wurde über den grünen Klee gelobt, wahrscheinlich deswegen, weil es sich von den Linken gut für ihren Kampf gegen das rechte Ungeheuer gebrauchen ließ, welches in der Vergangenheit auf seine Gelegenheit zum Sprung in die Gegenwart lauert. Ich habe es gelesen.Ungefähr zwei Jahre später brachte Norman J. Finkelstein sein Buch „Die Holocaustindustrie“ auf den Markt. Auch das habe ich gelesen.

Und jetzt wird es wirklich pikant.

Norman J. Finkelstein widerspricht Goldhagen nämlich in wesentlichen Aspekten. Und das, obwohl Norman J. Finkelstein Jude ist, dessen Eltern im KZ ermordet wurden. Finkelsteins Kernthese ist, daß die Gedenkindustrie (er nennt sie eben Holocaustindustrie) ein einziges Interesse am Erhalt des deutschen Schuldkultes hätte: ihre eigene Fettleber nämlich.

Kein Land habe sich jemals so ehrlich und so selbstquälerisch mit seiner eigenen Vergangenheit auseinandergesetzt, wie Deutschland, schrieb er. Die Deutschen verdienten höchste Anerkennnung dafür, sagte er, aber übertreiben müssten sie es natürlich auch nicht.

Und genau das passiere seit geraumer Zeit: Sie übertrieben es, meinte Finkelstein. Herr Finkelstein war einfach zu heftig für das linke Gutmenschentum, das sich seine Waffen im „Kampf gegen rechts“ nicht so ohne weiteres abnehmen zu lassen gedachte. Wäre Finkelstein nicht dummerweise Jude gewesen, – den Mann in tausend Stücke zu zerreißen, – strafrechtlich, medial und überhaupt in jeder denkbaren Weise -, das wäre für die Linke eine ihrer leichtesten Fingerübungen geworden.

Wurde es aber nicht. Und schon sind wir bei der linken Hybris.

Die linke Hybris besteht ja bekanntlich darin, daß sie den Wahn pflegt, sie könne in einem ehrlichen Gedankenaustausch argumentativ etwas ausrichten. Und so verstieg man sich doch tatsächlich dahin, Finkelstein in eine deutsche Fernseh-Talkshow einzuladen. Um es nun kurz zu machen: Das Setting der Talkshow wies das bewährte Muster auf. Vier gegen einen. Finkelstein war der eine. Die anderen waren die üblichen linksgrünen Geschichts – und Meinungsbesitzer. Normal J. Finkelstein, Buchautor und Jude, dessen Eltern von Nazis ermordet worden waren, entging an diesem denkwürdigen Tage in Deutschland nur äußerst knapp dem Vorwurf, ein Antisemit zu sein.

Das sind Antisemitismusdebatten in Deutschland.

Und sollte sich die AfD nur noch einmal einen solchen dilettantischen, verlogenen Schnitzer erlauben wie den mit Meuthen./.Gedeon, dann hat sie mich als Wähler verloren. Feige Gestalten, die sich vor dem linksgrün versifften Medienmainstream hertreiben lassen wie eine Herde Schafe mit Sonnenstich? Das braucht hierzulande kein Mensch.

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7 Comments

  1. 1

    Ein sehr guter Artikel, Herr Erdinger.
    Wo hat der Antisemitismus seinen Ursprung? Im Konkurrenzdenken der Religionen.
    Während der Islam in Nahost sein Konkurrenzdenken gerade offen auslebt, versuchen die christlichen Kirchen im Westen seit geraumer Zeit, ihr Konkurrenzdenken im Giftschrank zu verstecken.

    Wer hält den Antisemitismus im Westen dann am Leben? Die Sozialisten.
    Um die kritische Masse für den Sturz des Kapitalismus zu erreichen, muss man die Proletarier dieser Welt einigen. Und wenn deren Anzahl nicht ausreicht, muss man neue Proletarier erzeugen. Entgegen der nach außen getragenen Absicht Minderheiten zu schützen, geht es den Sozialisten nur darum, Minderheiten vor ihren Karren zu spannen um dadurch Mehrheiten für die eigenen Zwecke zu generieren.
    Wo das hinführt, ist seit geraumer Zeit zu beobachten:
    Seit linkes Denken im Westen die Meinungshoheit ergriffen hat, sehen wir mehr Rassismus, mehr Antisemitismus und einen deutlichen Anstieg von Auseinandersetzungen und Gewalt zwischen genau den Minderheiten, für die sich die Sozialisten angeblich stark machen.
    Ist das Zufall oder ist es Dummheit? Nein, es ist Absicht.
    Eine sachliche Auseinandersetzung mit Rassismus und Antisemitismus, mit dem potentiellen Endergebnis beides aus der Welt geschafft zu haben, ist nicht gewollt.

    Der Konflikt ist der Antrieb des linken Spektrums.
    Gibt es keine Konflikte mehr, kommt der Zug zum stehen und Millionen von Sozialisten werden heimat- und arbeitslos. Also schaufeln sie weiterhin fleißig Kohlen ins Feuer.

  2. 2

    „Hexenjagd“ ist der richtige Ausdruck. Dieses ganze Thema ist die „Inquisition vers. 2.0“. Ein Urteil ist ein „in die rechte Ecke stellen“ in dreifacher Potenz: Rassist – Nazi – Antisemit. Die Grenze menschlichen Abschaums, das gesellschaftliche „aus“. der Antisemitismus ist die politische WMD.
    Der Islamismus ist Zionismus in grün. Die heutige Hauptursache des Antisemitismus ist der Antisemitismus. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

  3. 3

    Ich kritisiere auch Ihr Verständnis von „Antisemitismus“, nicht nur das von Herrn Meuthen oder vom publizistisch-politischen Mainstream.
    Ich habe dazu den Nachweis geführt, dass es keinen Antisemitismus mehr gibt – und niemals mehr geben wird, weil das Phänomen Antisemitismus seit 1933 nicht länger mehr als Gesinnung, als Meinung, als Vorurteil, als Ressentiment etc. betrachtet werden darf, sondern als das verstanden werden muss, was es durch die Hitleristen geworden ist: die Etablierung von anti-jüdisch, anti-slawisch-arischem RASSISMUS ALS STAATSDOKTRIN (www.blueprinttheorie.de )
    Der heutige Gebrauch des Antisemitismusbegriffs als Vorwurf gegenüber Individuen wird von mir als zionistische Antisemitismuslüge entlarvt http://wp.me/sxqev-4289
    Auch ich habe die Nazikeule zu spüren bekommen, von der Sie ganz richtig sagen, dass sie die politische Funktion hat, Art. 5 GG noch einmal einzuschränken, erschöpft sich doch der zionistische Antisemitismus-Vorwurf in der Zielsetzung, den (palästinensischen) Antizionismus sowie die Zionismuskritik von Leuten wie Finkelstein zu delegitimieren und ihre Antäußerer gesellschaftlich zu dämonisieren und zu diskreditieren.

    • 4

      @ Gerd Weghorn

      Leider nicht auf dem korrekten Geschichtsstand.
      Der Antisemitismus war in Deutschland bis 1933 nicht höher wie in Polen in Osteuropa (außer Sowjetunion). Nach der Kriegserklärung des JWC in New York an das Deutsche Reich vom März 1933 schaukelte sich das dann allerdings immer höher und eskalierte ab 1939 (Kriegserklärung Englands und Frankreichs). Wer die Reden von damals liest, erkennt sehr schnell, dass diese Kriegserklärungen niemals mit England oder Frankreich in Verbindung gebracht wurden, sondern immer mit den Kreisen die angeblich beide Länder (und die USA) kontrollierten. Deshalb formulierten fast alle Zeitungen in den vierziger Jahren in Deutschland, man führe hier einen Krieg gegen das Weltjudentum. Von der Sowjetunion, den USA oder England war da kaum noch die Rede, sondern nur wenn es um Details ging. Ein gewaltiger Irrtum übrigens.

  4. 5

    Ich kenne Norman Finkelstein und sein Buch „die Holocaust Industrie“.
    Dieses Buch von einem Deutschen geschrieben- niemals vorstellbar.
    Oder von einem Russen mit persönlicher Nähe zu Wladimir Putin- ein gefundenes Fressen für die Lügenindustrie!
    Alles was man Finkelstein vorwerfen kann ist deshalb die Nestbeschmutzung.
    Und was die Aufrechterhaltung des Antisemitismus angeht, so ist das schwierig. Man müsste die Araber dafür anklagen, aber diese sind selbst (außer den Persern) Semiten. So wird es wohl der nie endende „Tanz um das goldene Kalb“ sein, welches den „Antisemitismus“ (was immer das auch ist) befeuert.

  5. 6

    [Zitat aus dem Text]
    Und das, obwohl Norman J. Finkelstein Jude ist, dessen Eltern im KZ ermordet wurden.
    [Zitatende]

    Wie denn das? Finkelstein ist Jahrgang 1953. Wo gab es danach noch KZs?

  6. 7

    Ich halte es mit der Aussage des jüdischen Ausschwitz Überlebenden Dr. Hajo G Meyer: „Die Bedeutung von Antisemitismus ist heute von Juden gehasst zu werden.“

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