Über Mühsal und Facebook-Silbertabletts

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Kennt ihr das?

Ihr machtet euch einst Gedanken darüber, ob denn nicht unter Umständen irgendetwas faul sein könnte mit diesem weltweit als „alternativlos“ gepriesenen System Staat, in dem gegenwärtig etwa 7,3 Milliarden Menschen abhängen (müssen). Immer wiederkehrende Wirtschaftskrisen, immer wiederkehrende Kriegsausbrüche, immer wiederkehrender Machtmissbrauch vonseiten irgendeiner Herrscherkaste, die in Wahrheit nur als Idee, als Konzept in den Köpfen ihrer Untergebenen existiert, in der Realität jedoch einfach nur aus unsympathischen und feigen Menschen besteht, die sich schlichtweg „Regierung“, „Legislative“, „Präsident“, „Kanzler“, „Minister“, „König“, „Komitee“ etc. n e n n e n, nachdem sie ihre Ethik-Amputation erfolgreich hinter sich gebracht hatten.1200x900-Mende

Menschen, denen ehrliche und anständige Arbeit viel zu doof ist und die stattdessen aufgezwungene „Dienstleistungen“ als den Inbegriff humanistischen Agierens umlügen, welcher angeblich notwendig sei, um sich nicht gegenseitig die Kleider vom Leib zu reißen und zurück auf die Bäume zu klettern. Zum Dank werden sie dafür von ihren persönlichen Fußabtretern angebetet, Verzeihung, – „gewählt“ heißt das heutzutage im Neusprech. Wieder und wieder. Und wieder. Im Gegenzug dürfen sich die atmenden Bettvorleger gegenseitig als „mündige Bürger“ bezeichnen, gleich Seerobben mit Partyhütchen auf dem Kopf, welche laut bellen und mit den Flossen klatschen, sowie ihnen ein Gutzi zugeworfen wird.

Doch ich schweife ab.

Nachdem ihr euch diese Gedanken gemacht hattet, begannt ihr damit, die ersten Bücher zu studieren, von deren Autoren ihr bis dato – aus „unerfindlichen“ Gründen, die nach der Lektüre gar nicht mehr so unerfindlich waren – weder zu Schul-, Ausbildungs- oder Unizeiten noch in Talkshows oder Nachrichten je hörtet, von Empfehlungen einmal ganz zu schweigen. Ja, nicht einmal irgendein abfälliger Hinweis kam einem je zu Ohren, meinetwegen im Stile von „Ach ja, irgend so einen Ludwig von Mixer, Mitzes oder Mises gibts übrigens auch, ist aber belanglos für das WIR.“ Und Roland Baader wäre höchstens dann von Interesse für „Intellektuelle“ oder „Pädagogen“, sofern sein Bruder Andreas hieße, der für seine persönliche Traumversion vom maximalen Hyperstaat gerne die eine oder andere Leiche in Kauf nahm. Wegen sozialer Gerechtigkeit und so. Doch der doofe Ludwig und Roland hatten leider einfach nur unermüdlich, friedlich und demaskierend aufgeklärt und das, was nach wie vor als „alternativlos“ gilt, Jahr für Jahr argumentativ schachmatt gesetzt. Von daher eben – belanglos.

Nach diesen ersten Büchern folgten weitere Bücher, Essays und Vorträge.

Die wortwörtliche Ethik der Freiheit wurde im Laufe der Zeit spannender als jeder Thriller und irgendwann gaben sich mannigfaltige Autoren „die Klinke in die Hand“, angefangen bei Adam Smiths grundlegender Darlegung des „obvious and simple system of natural liberty“, wonach Wohlstand i m m e r und ausschließlich mit Freiheit einhergeht bzw. im Zuge der „unsichtbaren Hand“ die Selbstregulierungskräfte einer natürlichen Ordnung automatisch die Interessen dieser ominösen „Allgemeinheit“, welche im 21. Jahrhundert nicht heiliger sein könnte, wahrnehmen.

Ferner der großartige Frédéric Bastiat, der bereits 1848, also simultan zur schriftgewordenen Turbozwangsparade in Form des Kommunistischen Manifests, den Staat unmissverständlich und korrekterweise als „große Fiktion“ entlarvte, „nach der sich jedermann bemüht, auf Kosten jedermanns zu leben“ – und damit wie heute auf überwiegend taube Ohren stieß.

Fürderhin Gustave de Molinari, der nur ein Jahr später in seinem Essay „Produktion der Sicherheit“ fragte, warum ein freier Markt, der im Kontext o.g. natürlicher Ordnung alle nachgefragten Güter zur Verfügung stelle, dies nicht auch in Sachen Schutzdienstleistungen vermögen könne? Da Menschen ein natürliches Bedürfnis nach Sicherheit haben und der freie Markt erwiesenermaßen den größten Bedürfniserfüller der Menschheitsgeschichte verkörpere, warum sollte dann ausgerechnet eine kleine Machtmonopol-Clique namens „Regierung“ mit einer derartig wichtigen Aufgabe beauftragt werden? Wer stellt sich 167 Jahre später diese Frage?

Von Max Stirner, der nicht nur Adam Smith ins Deutsche übersetzte, sondern auch in unnachahmlicher Weise – im heutigen Regenbogenzeitalter reflexartig als „kalt“ und „unverschämt“ bebellt – die natürlichen Vorzüge eines ethischen Egoismus darlegte und damit mitunter Grundlagen freiheitlicher Vertragstheorien; über Carl Menger, der ab 1871 und als Begründer der österreichischen (Grenznutzen-)Schule die Wert- und Preistheorie revolutionierte, wonach u.a. der Wert einer Sache vollkommen subjektiv ist und sich von Individuum zu Individuum unterscheidet. Im Zuge Mengers Ausführungen wurde die marxistische, „objektive Wertlehre“ bereits vor über 140 Jahren hinten und vorne ad absurdum geführt. Fragt auf der Straße doch einmal jemanden nach Karl Marx. Und anschließend nach Carl Menger.

Gerne aber auch nach Mengers hochinteressanten und lesenswerten Nachfolgern, deren Erkenntnisse nach wie vor das Potenzial hätten, die Welt in ökonomisch und damit freiheitlich ungeahnte Höhen zu katapultieren.

Eugen von Böhm-Bawerk; die bereits erwähnten, brillanten Denker Ludwig von Mises und Roland Baader; Friedrich August von Hayek, seinerzeit stichhaltiger, ökonomischer Widerleger hanebüchener und nach wie vor an Unis gelehrter, sozialistisch-keynesianischer Irrlehren, welche seit Bestehen lediglich einen Finanzkollaps nach dem anderen zur Folge haben und anschließend regelmäßig als „kapitalistisch“ umgelogen werden. Heute dient Hayeks Name maximal noch als pawlow’scher Reflex für linksfaschistische Gewalthorden, sogleich nach Vernehmen seines Namens oder allem, was irgendwie mit ihm zu tun hat, um sich hauen zu können und Menschen, die des Lesens – im Vergleich zu ihnen – mächtig sind, im besten Falle augenblicklich auszuradieren. Weil das dann nämlich „antifaschistisch“ ist.

Dann irgendwann Ayn Rands umfangreiches Werk in Form des Objektivismus oder rationalen Egoismus, wonach u.a. die Fähigkeit, Entscheidungen treffen zu können, ethisches Handeln überhaupt erst möglich macht.

So „simpel“, wie diese Tatsache auch klingen mag, stellt sich, übertragen auf die heutige Zeit, die Frage, wie demnach Ethik überhaupt noch möglich sein kann, wenn nach und nach eine Entscheidung nach der anderen in die destruktiven Hände eines ersatzreligiösen Leviathans abgetreten w i r d und im Zuge ausufernden Verantwortungstransfers unter grölendem Getöse der „mündigen Bürgerschaft“ auch abgetreten werden s o l l?

Unvergessen auch Milton Friedmans Vorträge zur Makro- und Mikroökonomie, zu den Vorteilen des freien Marktes sowie den Nachteilen staatlicher Eingriffe und die sich anschließenden, öffentlichen Diskussionsrunden mit überzeugten Maximalstaatsbefürwortern, in denen reihenweise „Stecker gezogen“ wurden.

Schließlich Denker wie Murray N. Rothbard und Hans-Hermann Hoppe, die der angeblichen Notwendigkeit und Natürlichkeit eines aufgezwungenen Staatstreibens vollends den argumentativen Garaus mach(t)en und monumentale Werke bieten, deren Inhalte im heutigen, öffentlichen Pseudodiskurs wie erkenntnistheoretische Atombomben einschlagen würden und demzufolge tunlichst ignoriert und unterdrückt werden müssen. Nicht umsonst sagte Noam Chomsky, „die schlaue Art, Menschen passiv und folgsam zu halten“, sei, „das Spektrum akzeptabler Meinungen streng zu begrenzen, aber innerhalb dieses Spektrums lebhafte Debatten zu erlauben.“

Darüber hinaus gesellen sich noch weitere Autoren zu den eben genannten, welche dazu beitrugen, eine andere, ja, ich sage ganz „unverschämterweise“ klarere Sicht der Dinge einzunehmen, die das Resultat eines langen, nicht selten Jahre fortwährenden und immer wieder schmerzhaften Entwicklungsprozess war und stetig ist. Sehr wichtig für mich hierbei ist, trotz allen Inputs und unbezahlbarer Aufklärung, einen eigenen, individuellen Ansatz zu entwickeln. Dies geschieht v.a. mittels Respekt und Neugierde vor etwaigen, neuen Erkenntnissen und ist nach meinem Dafürhalten i m m e r mit Anstrengung und geistiger Arbeit verbunden.

Und genau hier nun liegt ein relativ weitverbreitetes Dilemma innerhalb sozialer Netzwerke wie beispielsweise Facebook. Immer wieder treten Personen mit nicht selten forderndem Ton an mich heran, wie denn „meine Alternative zum gegenwärtigen Gesellschaftssystem aussehen“ solle.

Oder anders formuliert: Das, was während eines oben beschriebenen, langen, mich hunderte von Nächten beschäftigenden Prozesses entstand, soll nun mal eben in allen Facetten auf dem Silbertablett serviert werden. Aber zacki! Dann ist es anscheinend mit einem Schlag selbstverständlich, zum persönlichen Tippsklaven für den vordergründig sich interessiert gebenden, entfernten Bekannten oder gar Fremden zu werden. Und wehe, wenn auch nur ein Problem ungelöst, eine Frage unbeantwortet und nicht jeder Zweifel ausgeräumt werde! Dann hagelt es „Entfreundungen“ schneller als das Anwachsen staatsmonopolistischer Papiergeldmengen! (Gut, man könnte dem zugutehalten, dass es Müll gleicht, der sich selbst rausträgt.) So geht nämlich heute „ehrliches Interesse“. Literaturempfehlungen? Basics? Keine Zeit, keine Lust. Aber Interesse schon. Sofern es sich um ein Silbertablett handelt. Jetzt. Sofort. Am besten in einem Post. Gleichzeitig wird hierbei ein ganz besonderes Paradoxon ersichtlich: Auf der einen Seite machen einem irgendwelche Leute direkt oder indirekt den Vorwurf, sich für „allwissend” zu halten, obwohl das nicht einmal ansatzweise je behauptet wurde (die wahren Gründe für diesen Vorwurf werden gleich noch dargelegt), auf der anderen Seite  w o l l e n  sie dann aber auch das „Allwissen” in Form von makellos austarierten Antworten auf all ihre Sorgen, Bedenken und Fragen.

Aber selbst dann ist von Seiten des „Du-glaubst-wohl-mehr-zu-wissen-als-ich-oder-was?!“-Tippsklaven Folgendes zu berücksichtigen: Man darf mehr wissen als andere. Es darf nur nicht offensichtlich oder ersichtlich werden, mehr zu wissen als andere. Das wiederum wäre im Alles-ist-gleichwertig-und-relativ-Land nämlich „arrogant” – irgendwer hat das irgendwann halt eben mal so beschlossen und jetzt ist das so. Selbst (oder erst recht) dann, wenn der eigentliche Grund dafür, jemandem „Arroganz” anzudichten, entweder ein Minderwertigkeitskomplex oder die unangenehme Selbstentlarvung ist.

Die von meiner Seite anfangs ehrliche Freude über das Interesse eines (entfernten) Bekannten weicht demzufolge – natürlich mit erfreulichen Ausnahmen – nicht selten sehr schnell der Ernüchterung. Eben weil es sich im Endeffekt nicht um wirkliches Interesse an e v e n t u e l l e m Erkenntnisgewinn handelt, sondern um aggressives Zur-schau-stellen von Ignoranz – man könnte auch sagen Gepöbel – das lediglich im G e w a n d angeblichen Interesses daher kommt

Philipp A. Mende
Der Autor lebt in Peking und hat im Juwelen-Verlag das Buch „Geschosse wider den Einheitsbrei“ veröffentlicht, das auch als Hörbuch und als e-book erschienen ist.

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2 Comments

  1. 1

    Vielen Dank für Ihren Beitrag, der das „Diskutieren“ vor allem mit sich selbst für besonders intellektuell haltenden Personen ( nicht Menschen! ;-) ) treffend beschreibt. Ich möchte es vielleicht noch etwas kürzer fassen, „Wasch mich, aber mach mir den Pelz nicht nass“!
    Ich habe es aufgegeben Personen zu bekehren die, um es mit dem fantastischen Begriff des „bedeutenden deutschen Philosophen“ Dieter Bohlen zu sagen, beratungsresistent sind.
    Ich mache es wie Sie andeuten und verweise auf die Quellen oder Youtube – Beiträge – Antwort ( zum Teil verständlich ) „Dafür habe ich keine Zeit“.
    Zum Aktuelle Kamera (genannt Tagesschau, heute Journal o.ä. anschauen reicht die Zeit jedoch immer!
    Was soll man mit solchen Personen anfangen? – Nichts! Die rauben nur Kraft und Zeit.
    Bedauerlich ist das leider nur bei der eigenen Sippe und guten Freunden…
    Ich bin dann A.m Ende ;-)

    • 2

      „Bedauerlich ist das leider nur bei der eigenen Sippe und guten Freunden…“

      Es schmerzt sehr, von der eigenen Familie z.B. zu hören: „Das sind alles Hetzer – von wegen „verlorene Generation“ (Anspielung auf Buchtitel Roland Baaders). Niemals ging es den Deutschen und vor allem der Jugend so gut wie heute. Ihr lebt heute im Überfluss und seid undankbar. Wir hatten nach dem Krieg nichts und haben gehungert.“
      usw. usf…
      Es bringt nichts außer gefährlichen Blutdruckkrisen, sich mit der Familie zu zerstreiten – und deshalb habe ich es das auch aufgegeben.
      Jedoch habe ich für mich persönlich auch gelernt, dass ich wesentlich freier OHNE (pseudo-)soziale Netzwerke bin. Mein Rat daher (auch an den Autor): DELETE FACEBOOK!
      https://www.youtube.com/watch?v=ZGEQmFL9McU
      Und was die Idiotenlampe (TV) betrifft: die habe ich bereits vor einiger Zeit aus meiner Wohnung geworfen. Es kommt allerdings vor, dass ich in meinem Beruf und bei Besuchen „zwangsweise“ mit ihr konfrontiert werde; und ich merke, dass ich das physisch immer schlechter ertragen kann und manchmal sogar aggressiv werde – insbesondere bei Nachrichtensendungen, wenn ich die Politikervisagen nur schon sehe (die brauchen noch nicht mal zu reden), und bei den offenbar immer zahlreicher werdenden Hartz-IV-Hirnlos-Doku-Soaps…

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