Die Nackten und die Toten

pixabay./.ddout - CC0 Lizenz

Nach dem WK II., übernahm die amerikanische Politik die Idee des deutschen Irrationalismus und verband ihn mit den Doktrinen von Truman, Reagan und Bush zur Religion des neuen Humanismus – eine Gesinnung, bei der die Demokratie ihren wirklichen, rationalen Charakter verloren hat und die verbliebene Worthülse das Alibi des Guten liefert: Humanismus als eine Spielart des Imperialismus und zur Manipulation der Massen.1200x900-8-280x210

Seit Beginn des europäischen Faschismus, interessierte sich die politische Elite der USA für die Konzepte faschistischer Machtentfaltung und deren soziale Programme.

Mussolini wuchs schnell zum populären Vorbild für gesellschaftliche Organisation. In den ersten Jahren von Hitlers Reichskanzlerschaft gab es regen Austausch zwischen Deutschland und den USA, z.B. auf den Gebieten der Bevölkerungspolitik und Eugenik. (Sterilisations-Programme wurden zuerst in Amerika entwickelt. Die US-Eugeniker waren sehr bald eifersüchtig auf die effektiveren Methoden der Nationalsozialisten.)

Zum Ende des WK II. – und danach – studierten die Amerikaner die nationalsozialistische Beeinflussung der Massen und organisatorischen Methoden der Reichsführung sehr intensiv. Was allgemein an der NS-Propaganda kritisiert und verachtet wurde, war die Dumpfheit ihrer Parolen, aber Napoleon schreib: „Die einzig wirksame Redeform ist die Wiederholung“. Hitler war ein eifriger Student der Geschichte und des Schriftguts großer Männer.

Bei den modernen Glaubenskriegen geht es nicht mehr um das Idol selbst oder sein Wesen, sondern um die Macht der Botschaft. Realität und Wahrheit sind keine „Massenware“. Faschismus, Kommunismus und Altruismus funktionieren nur als Religion, eben durch ihre irrationalen Inhalte (Deng xiao-ping: „Die Farbe einer Katze ist egal, solange sie Mäuse fängt“).

Dazu zählt die moderne Demokratie mit ihrem Humanismus.

Die Demokratie wurde Kern-saniert und ihrer originalen Ideale beraubt, weil sie nicht zu Veränderungen führen darf. Die Bundestagswahl in der BRD, die Präsidentenwahl in den USA sind Rituale – die Reichsparteitage der Demokratie.

Der marxistische Philosoph Georg Lukacs schrieb 1954 sein Werk „Die Zerstörung der Vernunft“ (ein geniales und wichtiges Buch für Ihre politische-philosophische Bibliothek). In seiner Analyse der Nachkriegssituation geht er davon aus, wie Hitler seine soziale Demagogie mit der imperialistischen Aggression verband und den Wettstreit der Weltmächte zu einem nationalen und sozialen Befreiungskampf gegen das Kapital umlog. In den USA spielten diese Motive keine Rolle – von einer Erschütterung des kapitalistischen Systems war nie die Rede. Die Verfassung Amerikas war von Anfang an demokratisch, und der herrschenden Klasse gelang es, die demokratischen Formen so zu bewahren, dass eine, ebenso umstrittene, Diktatur des Monopolkapitals mit demokratischen Mitteln erreicht wurde.

„Die Prärogativen des Präsidenten, die Entscheidungsmacht des Obersten Gerichtshofs, das Finanzmonopol über die Medien, die Wahlkosten usw., alles was die Entstehung wirklich demokratischer Parteien, neben den beiden etablierten erfolgreich verhinderte; und schließlich die Anwendung von Terrormitteln, schufen eine solche reibungslose Demokratie, die sachlich alles von Hitler erstrebte verwirklichen konnte, ohne mit der Demokratie formell brechen zu müssen.“

Lukacs zitiert den Charakter des General Cummings, aus Norman Mailers Klassiker, „Die Nackten und die Toten“ (1948):

„Die kinetische Energie eines Landes ist die Organisation, die zusammengefasste Anstrengung; Faschismus, wie Sie es nennen… Historisch gesehen, liegt der Sinn dieses Krieges darin, Amerikas potentielle Energie in kinetische umzuwandeln. Der Plan des Faschismus ist viel gesünder,… als der Kommunismus, weil er sich auf der wirklichen Natur des Menschen aufbaut, nur, dass er im falschen Land gestartet wurde, in einem Land, das nicht genug wahre, potentielle Macht besitzt, um sich vollständig zu entwickeln. In Deutschland mit seinem Grundmangel an Rohstoffen musste es notwendigerweise zu Exzessen kommen, aber die Idee, der Plan war gut… Im vergangenen Jahrhundert hat sich der ganze historische Prozess dahin entwickelt, immer größere Machtzusammenballungen zu schaffen, dieses Jahrhundert bringt… eine Ausweitung des Universums und politische Kräfte, eine politische Organisation, um dies alles erst zu ermöglichen. Zum erstenmal in unserer Geschichte,… sind die mächtigsten Männer Amerikas ihrer Ziele bewusst geworden… Nach dem Krieg wird unsere Außenpolitik weit nackter werden und weniger heuchlerisch als je zuvor.“

Lukacs:

„Wie diese „demokratische Freiheit“ in einen faschistischen Zwang hinüberwächst – ohne formelle Änderungen zu erleiden – hat nicht nur die Welt außerhalb der USA, sondern auch intelligente und ehrliche Amerikaner längst erkannt.“

Das war 1954.

Der beflissene Deutsche betet derzeit noch in der Kirche seines demokratischen Humanismus. Radikal und selbstgerecht bezichtigen sie die Vernunft und den „rechten“ Feind – und merken nicht, dass sie schon aus den Bäuchen ihrer Gegner reden.

You May Also Like

1 comment

  1. 1

    Über einen Mangel an Veränderungen können wir uns jedenfalls nicht beklagen. Dass ein System sich nicht ändert, bzw. wenn, dann nicht mehr das gleiche System ist, liegt in seiner Natur.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>