Armin Laschet und die DDR

Es gibt Tage, da bin ich froh, keinen Fernseher mehr zu haben und es gibt Tage, da bin ich heilfroh. Leider schützt das aber nicht davor, nicht doch noch an wahrlich idiotische Aussagen der derzeitigen Sodom-und-Gomorrah-Politiker heranzukommen – schon allein deswegen, weil man im Internet auf deren Aussagen stößt – unweigerlich. Und dann geschieht das Unfassbare – das, was man auf keinen Fall sehen und hören wollte, einfach, weil man es nicht ertragen kann – sieht und hört man dann doch. Und man schaut und hört nicht weg – das nennt man wohl ein Faszinosum Perversum.

Übel, wie das Unterbewusstsein dem grundsätzlich verstandesgemäßen Menschen einen Streich spielt.

So denn auch gestern – bei „hart, aber fair“.

Nun, dass diese ewig gleich besetzten Talkshows gruselig sind, weiß man. Aber trotzdem ist es möglich, der Gruseligkeit immer noch ein wenig draufzusetzen – diesmal in Person des unseligen Herrn Laschet, der – verfolgt man seine Vita – eine recht eigentümliche Vorstellung von Richtig und Falsch hat.

Besagter Herr Laschet hat dann auch gestern seinem Namen alle Ehre gemacht und mal so eben – mir nichts, dir nichts – 17 Millionen Menschen in Deutschland im Prinzip ihres Verstandes beraubt. So wagte er zu behaupten, dass die „Ossis“ seit dem Tag der Grenzöffnung eigentlich immer noch tief im Sumpf der nicht vollzogenen Wende stecken und von einer Einheit eigentlich nichts wissen wollen. Wüsste man es nicht besser, dann könnte man glauben, dass der ganze Osten mit Rechtsradikalen verseucht ist, die nur darauf gewartet haben, dass Frau Merkel ihr Werk tut, damit sie endlich endlich ihren Hass ausleben können.

Nun gibt es, wie in jedem anderen Land auch, Idioten – rechte wie linke und die in der Mitte.

Dass aber ein Volksvertreter eine ganze Gruppe von Menschen in den Dreck zieht, das ist schon mehr als unverfroren. Und ein Zeichen unserer verdorbenen Zeit. So etwas Unverschämtes hätte sich vor einigen Jahren wohl kein Politiker getraut. Das ist heute anders. Heute glaubt man, dass man als gefühlt erhabenes Wesen diejenigen, die das erhabene Wesen finanzieren, ruhig beleiden und dikreditieren kann. Schon längst geht es nicht mehr darum, die Interessen der Bürger zu vertreten, sondern auf Biegen und Brechen die Interessen der neuen Heiligen Angela durchzusetzen.

Demokratie nennt man das, was uns weismachen soll, dass nur mit dieser Form ein friedlicher Austausch der Herrscher möglich ist. Das jedoch macht aber nur Sinn, wenn die herrschende Klasse nicht ein Brei ist. Dies ist aber nicht (mehr) der Fall. Mit Hilfe der Medien sind gerade viele Menschen im Westen so brutal umerzogen worden, dass sie gar nicht mehr erkennen, dass die Zeiten der eigentlichen Demokratie längst vorbei sind.

Denn wenn auch diese Menschen das „Glück“ haben zu den 51% zu gehören, die die anderen 49% legitim unterdrücken und in ihrer Meinung und Lebensweise einschränken (dürfen), so nutzt das trotzdem nichts.

Durch die hervorragende Arbeit der staatlichen Schulen, der Medien und der Freizeit-Dauer-Progaganda sind die Unterschiede nur noch so marginal, dass eine fundamentale Änderung der Umstände faktisch nicht mehr stattfindet. Dieses hinterlistige Spiel kann zwar nur solange andauern wie der überwältigende Teil der Menschen an die Legitimität der Demokratie glaubt – aber auch da: Die öffentliche Meinung sorgt schon dafür, dass es so bleibt … und bei den anderen, den Dauer-Nörglern muss man dann eben irgendwann zu drastischeren Mitteln greifen – Gulags haben sich da als ganz hervorragend funktionierende Maßnahmen erwiesen.

Und genau DAS ist der Vorteil der „Ossis“ gebenüber den „Wessis“.

Sie haben die Zeit der Progaganda, der Rechtsverletzungen und des Eingesperttseins (weil diese einem Regime so in den Kram passte) noch nicht vergessen. Sie sind – so bin ich fest davon überzeugt – nicht so demokratisch verseucht, sie erkennen Propaganda und Lügen sehr viel schneller als die gut dressierten „Wessis“, die glauben, dass Politiker aller Coulour – in der breiten Masse – auch nur einen Funken Anstand haben. Die glauben, dass sie die Vernunft über alle Maßen missbrauchen können ohne dafür die negativen Konsequenzen tragen zu müssen. Die glauben, dass sie intelligenter sind (weil toleranter) – und dabei vergessen, dass Intelligenz nicht Klugheit bedeuten muss und dass Tolerenz oft nichts anderes als die (verkleidete) Feigheit vor der Wahrheit ist.

In diesem Zusammenhang habe ich von Carlos A. Gebauer einige ganz hervorragende Zeilen gefunden, die den Wahnsinn der Zeit treffend wiedergeben.

„Früher habe ich mich einmal darüber gewundert, daß sich 17 Millionen Deutsche 28 Jahre lang hinter Stacheldraht und Selbstschußanlagen gefangen halten ließen. In den vergangenen 26 Jahren, seit dem „Mauerfall“, habe ich viel dazugelernt.

Man kann Menschen ihre Währung nehmen; sie wehren sich nicht.

Man kann ihnen jahrzehntelang einen „Solidaritätszuschlag“ abnehmen; sie wehren sich nicht.

Man kann Familien verunmöglichen, von einem Gehalt zu leben, sie zwingen, ihre intimsten Geheimnisse zu digitalisieren, man kann ihnen das Rauchen verbieten und ihnen wieder und wieder den Schornsteinfeger in ihr Haus schicken, man kann ihnen bunte Aufkleber für „Umweltzonen“ aufnötigen, ihnen Geschichten vom Klimawandel erzählen, sie für Florian Silbereisen und „Monitor“ zur Kasse bitten, sie zwingen, Müll zu trennen und Dosenpfand zu zahlen, sie ’stubsen‘, E10 zu tanken und Banken zu retten, Staaten zu alimentieren und Rechtsbrüche hinzunehmen…

Werden meine Mitbürger diesen megalomanen Akt politischer Selbstüberschätzung, diese unverschämte Anmaßung eines „Die-werden-sich-schon-was-einfallen-Lassen“ auch noch schweigend bieten lassen?

Oder entdeckt irgendjemand in diesem duldsamen, friedfertigen, leidensfähigen, offenbar grenzenlos zahlungswilligen Land doch noch, daß er ein Rückgrat hat und kein Untertan ist?

Wo sind die stolzen Linken geblieben, die für Emanzipation und Freiheit eingetreten sind, wo die Christen, die etwas auf individuelle Gewissensentscheidungen gaben, wo die Liberalen, die wußten, wie man Bürger vor Willkür schützt, und wo die Konservativen, die Veraltetes erst dann über Bord warfen, wenn funktionserwiesen Neues schon sicher existierte?

Seid gemahnt, Ihr Duckmäuse: Auch der größte Speckvorrat wird eines Tages verzehrt sein! Und wenn die Welt dann 2030 über den angeblich menschengemachten Klimawandel ebenso lachen wird wie schon heute über das Ozonloch, das Waldsterben oder den Kölner Dom unter Wasser, dann werdet ihr merken, daß man politische Dummheit nicht essen kann.

 

Susanne Kablitz
Die Autorin ist Inhaberin des Juwelen-Verlags und Chefredakteurin des Juwelen-Magazins. Sie ist Autorin des Buches „Bis zum letzten Atemzug“ und Mit-Autorin von „Der Freiheit verpflichtet“.

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KABLITZ`RE(D)AKTION

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3 Comments

  1. 1

    Sehr gutes Essay, Frau Kablitz. Sie wissen, dass ich das auch so sehe.
    Das erinnert mich auch an eine Runde Maischberger, worin die AfD-Petry geteased wurde, „warum z.B. in Dresden besonders viel Ausländerangst bestehe, obwohl es da keine Moschee gäbe und kaum eine einzige vermummte Muslimin“: Es ist also irrational, Angst zu haben, Nachts durchs Bahnhofsviertel zu laufen – nur weil man selbst bis jetzt noch nicht überfallen wurde.
    Leider sind die Antworten der AfD-Führung rhetorisch nicht beeindruckend. Auch sie leiden noch unter p/k Hemmungen und erschrecken öffentlich vor der eigenen Courage. Wer eine klare Aussage gegen die P/K macht, wie die Ossis – der ist hier rechts.
    Wie ich schon viele male schrieb: Die Vernunft liegt eben öfter rechts. Irrationalismus kann durch Definition nicht vernünftig sein.
    HG

  2. 2
  3. 3

    Sehr gut beschrieben diesen (west)deutschen Saftladen, verehrte Frau Kablitz. Bis September 1989 war ich DDR-Bürger,
    dann durfte ich, nach über 6jähriger Wartezeit nach Stellen des Antrags, ausreisen. Der DDR habe ich seinerzeit nicht
    tschüs und Auf Wiedersehen gesagt. Stolz streichelte ich meinen neuen Ausweis, atmete genussvoll das Aroma der guten
    Deutschen Mark ein. Die Freude und die Euphorie hielt wenige Wochen, dann kam ich und meine Familie in der bundes-
    deutschen Realität an. Es würde zu weit führen, wenn ich all die Enttäuschungen und Merkwürdigkeiten, die ich erleben
    durfte, aufzählen würde. Besonders die Unfähigkeit so vieler Bundesbürger politisch ‚um die Ecke zu denken‘ , machte mich betroffen. Als Entschuldigung redete ich mir dann immer ein:Sie mussten es ja nicht lernen..
    Den Herrn Laschet habe ich in besagter Sendung gesehen. Schlimmeres an politischem Tiefflug sah ich nie. Der Stegner
    der CDU. In der DDR freute ich mich jeden Sonntag auf den ‚Frühschoppen‘ in der ARD. Was für ein intellektueller Unterschied
    zum den heutigen Talk-Schrott! Laschet hätte dort den Wein einschenken dürfen.

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