Die geistigen Erben des Fidel Castro

flickr./. Jari Carr - Chavez, Fidel and the Devil

Die politische Linke ist in tiefer Trauer: Fidel Castro ist tot. Sahra Wagenknecht, die Hoffnungsträgerin der Talkshows, die Frau, die von Teilen der AfD hofiert wird, ist den Tränen nah. Und sie ist aus dem Lager der angeblich Sozialen nur eine von vielen, wenn sie schreibt:

„Eine bessere Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung ist möglich! Das war die feste Überzeugung von Fidel Castro. Gestern ist er im Alter von 90 Jahren gestorben. Ich verabschiede mich von ihm mit seinen eigenen Worten: “Ein Kämpfer kann sterben – nicht aber seine Ideen“. Adios, Comandante!“

Auch Bald-Ex-Präsident ist traurig und – wie es zu erwarten war – auch Putin ist ganz auf der Seite derer mit einem (oder mehreren) Tränchen im Auge, war doch Castro immer eng mit Russland verbunden.

Ganz andere Worte sind da vom designierten amerikanischen Präsidenten zu hören:

„Das Erbe von Fidel Castro ist das der Erschießungskommandos, des Diebstahls, des unvorstellbaren Leidens, der Armut und der Verleugnung grundlegender Menschenrechte.“

Und irgendwie gerate ich ins Grübeln. Kann es sein, dass ein ungehobelter Klotz, ein angeblicher Rassist und Frauenverachter einen Massenmörder eher zu erkennen vermag als die angeblich so guten Menschen, die im Namen der „sozialen Gerechtigkeit“ unterwegs sind?

Lesenswert sind die Kommentare unter dem Post von Frau Wagenknecht. Diesen hier fand ich besonders bemerkenswert:

Die Mehrzahl der Kubaner, natürlich nicht der Familienclan der Bacardis, sind Castro von ganzem Herzen für die Revolution dankbar, denn er hat sie aus einem Leben in Armut, ohne Bildung ohne Aussicht auf Besserung befreit. Cuba hat den höchstens Bildungsgrad, die geringste Kindersterblichkeit und die höchste Lebenserwartung aller mittel- und südamerikanischen Staaten. Und das trotz des Embargos und der Repressionen durch die USA! Venceremos!

Nun, was soll man dazu sagen? Da kann man es doch billigend in Kauf nehmen, dass Millionen ermordet, gefoltert und terrorisiert wurden, die mit den wunderbaren Umständen nicht einverstanden waren. Es lohnt sich, jene genau zu lesen, die jetzt einen Diktator „würdigen“. Es sind genau jene, die Menschen gerne „abholen“ und „mitnehmen“.

Es sind jene, die mit Folter und Mord an politischen Gegnern kein Problem haben. Hauptsache, Gesundheitswesen (wenn es auch noch so armselig ist) und Bildung (welche auch immer) sind kostenlos. Die Grundzüge des Marxismus-Leninismus beherrschen linke Diktatoren alle.

Selbstverständlich wird dabei „übersehen“, wie katastrophal das „kostenlose“ Gesundheitsparadies aussieht – fliehen schließlich alle diejenigen, die es sich irgendwie leisten können, nach Amerika. Da, wo (noch) Geld verdient werden kann. Auch dass man auf einen OP-Termin schon mal gerne 2-3 Jahre warten muss und sich dadurch die ein oder andere Dringlichkeit ganz von selbst erledigt – davon natürlich nicht ein einziges Wort.

Das Gleiche gilt für die Bildung. Auch Nordkorea hat ein Bildungssystem. Auch „umsonst“! Aber was nützt Ihnen das?

Wenn ich auf Kosten der allgemeinen Armut und Unfreiheit „Bildung“ anbiete, dann ist das nicht mehr als ein billiger, würdeloser Trick, um Kinder mit den „Werten“ der Elite zu indoktrinieren und die dankbaren Eltern vor allem geistig gefangen zu halten.

Es sieht ganz danach aus, dass hier wieder einmal in erster Linie dem Anti-Amerikanismus gehuldigt wird (wobei die Manchenschaften der jeweiligen amerikanischen Regierungen keinesfalls relativiert werden sollen); und in diesem Zusammenhang ist es dann eben sogar zu würdigen, dass die Lebensumstände „im Verhältnis“ zu anderen (durch den gelebten Sozialismus) am unteren Ende der Nahrungskette Vegetierenden ein bisschen besser waren. Angeblich.

So soll es wie immer die USA sein, die am Elend Kubas schuld ist. Vor allem das Embargo. Dabei ist das absoluter Unsinn. Denn selbst wenn die USA keine Tauschgeschäfte mit Kuba eingehen wollte und will (was übrigens nicht für alle Bereiche gilt), so standen mit China und Brasilien Handelspartner zur Verfügung. Das Problem ist aber nicht, dass die USA der Blüte Kubas im Wege steht, sondern dass Kuba schlichtweg kaum etwas anzubieten hat, was tauschenwert ist. Denn auf dem Tauschgeschäft beruht jeglicher Handel. Und da reichen nun mal ein paar Liter Rum und selbst produzierte Zigarren nicht aus. Auch dann nicht, wenn alles mit Puderstränden, kubanischen Klängen und einem sattblauen Himmel garniert wird.

Und so ist es keinesfalls der „böse Westen“, der den Reichtum Kubas verhindert hat, sondern die völlige Verweigerung, den sozialistischen Traum als das zu erkennen, was er ist. Armut für alle – aber gerecht verteilt.

Hierzu Philipp A. Mende: „Wurde der Kommunismus in Kuba „richtig umgesetzt“?

Falls ja: Warum fliehen und flohen Menschen jährlich AUS dem Gerechtigkeitsparadies und nicht IN eben dieses und wieso sieht der Inselstaat so aus, wie er nun einmal aussieht?

Falls nein: Wie lange hatten Castro und seine Schergen noch gleich Zeit für die „richtige Umsetzung”?

Ach ja, ich weiß… die USA sind schuld. Ideologie gerettet.“

So ist auch diese Stellungnahme der Linken bezeichnend:

„Bitte vergessen Sie nicht, dass die von Fidel Castro angeführte kubanische Revolution Kuba von einer blutigen Diktatur unter Fulgencio Batista befreite, die über 30.000 Menschen getötet hatte. Kuba war zuvor ein Ort, mafiöser Ort. Großgrundbesitz, oft in Händen von US-Amerikanern, beutete die Landarbeiter maßlos aus. Schwarze waren einem System des Rassismus unterworfen. Nie bekam die Landbevölkerung einen Arzt zu sehen und die Rate der Analphabeten überstieg die 70 Prozent.

Es gehört zur großen Leistung von Fidel und der kubanischen Revolution, Bildung und Gesundheit kostenlos für die gesamte Bevölkerung bereitzustellen. Trotz aller Krisen, insbesondere nach dem Zusammenbruch des realen Sozialismus, konnte Kuba das kostenlose Bildungs- und Gesundheitssystem aufrechterhalten und verbessern – und dies zu einem Zeitpunkt, als in ganz Lateinamerika unter dem Druck des Neoliberalismus die Bereiche Bildung und Gesundheit privatisiert und große Teile der Bevölkerung dieser Länder ausgeschlossen wurden.“

Ähnliche Phänomene erlebt man ständig wieder. Es ist wie ein übler Boomerang. Stalin ist heute noch ein Vorbild, Mao wird von vielen immer noch verehrt. Hitler war eigentlich auch gar nicht so übel, hätte er nicht die Juden ermorden lassen. Wenn Sie mit dem Wort „sozial“ im Mund herumlaufen, können Sie sich fast alles erlauben. Wenn Sie dann noch ein „kostenloses“ Krankenversicherungsystem dazubauen, den bösen Neoliberalismus einflechten, eine wohldosierte Portion „US-Amerikaner“ und selbstverständlich üblen Rassismus (der selbstverständlich auch nur vom bösen Amerikaner ausgelebt wird), wird kaum jemand Ihre hehren Absichten ernsthaft in Frage stellen. Selbst wenn sie dafür ein „paar Männeken“ verhungern lassen müssen – wo gehobelt wird, fallen eben Späne.

Die Argumentation ist schauerlich.

Aber sie funktioniert immer und immer wieder!

Ich wünsche dem Herrn Diktator keinen Frieden im Himmel. Ich wünsche mir, dass er sich vor den Opfern seines angeblichen Himmelreichs Tag und Nacht verantworten muss.

Und da manchmal ein Bild mehr sagt als tausend Worte: Fidel Castros Wunderreich

 

 

Bildquelle: flickr./Jari Carr

Susanne Kablitz
Die Autorin ist Inhaberin des Juwelen-Verlags und Chefredakteurin des Juwelen-Magazins. Sie ist Autorin des Buches „Bis zum letzten Atemzug“ und Mit-Autorin von „Der Freiheit verpflichtet“.

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1 comment

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    Diese salonbolschewistischen Verklärer des Sozialismus „kubanischer Spielart“ und Buena-Vista-Social-Club-Romantisierer sollten einmal lesen, was insbesondere Anfang der 1990er Jahre nach dem Untergang der Sowjetunion und damit einhergehend auch dem Ende der finanziellen Alimentierung Kubas dort tatsächlich abging. Dazu empfehle ich als Einstieg die „Schmutzige Havanna Trilogie“ von Pedro Juan Gutierrez – einem absoluten Verehrer von Charles Bukowski (wie ich selber auch). Kostproben aus dem sozialistischen Karibik-„Paradies“ (Achtung: absolut nichts für Zartbesaitete!!):
    „Auf dem Rückweg musste ich den Almendares-Fluss überqueren., von dem aus die Verzweifelten nach Miami aufbrachen. Sie bauten dort kippelige Flöße aus Autoreifen, Brettern und Stricken und überließen sich munter dem Meer, als veranstalteten sie ein Picknick. Das war im Sommer 94. Seit vier Jahren herrschten in meinem Land Hunger und Wahnsinn, aber am stärksten war Havanna betroffen. Ein Freund von mir sagte immer: „Pedro Juan, man kann hier nur leben, wenn man verrückt oder besoffen ist oder schläft.““
    Ich kehrte zurück in meine Dachkammer mit dem Gemeinschaftsbad im Zentrum Havannas. Es ist das ekligste Bad der Welt, das sich fünfzig Hausbewohner teilen, die sich vermehren wie die Karnickel. Die meisten von ihnen stammen aus dem Ostteil der Insel und kommen in Schwärmen nach Havanna, um der Armut zu entfliehen. (…) Und im Bad staut sich die Scheiße bis unter die Decke. Nicht weniger als zweihundert Personen scheißen, pissen und baden täglich in dem Saustall. Ständig bildet sich davor eine Schlange. Sogar wenn man dringend scheißen muss, muss man sich anstellen. Viele Leute, so auch ich, haben darauf keinen Bock. Ich scheiße in ein Stück Papier und werfe das Päckchen aufs Dach eines niedrigeren Gebäudes nebenan oder auf die Straße, scheißegal. Grauenhaft, aber so ist´s nun mal. Wenn man ganz unten ist, muss man lernen, damit umzugehen.“
    Heute dürfte es im zweiten sozialistischen Karibik-Paradies Venezuela ähnlich krass zugehen. Frau Wagenknecht und die übrigen Sozialismus-Verherrlicher sollten daher auf ihrem nächsten Städte-Trip unbedingt nach Caracas reisen – aber selbstverständlich ohne harte Devisen…

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