Feine Hamburger Kollegen lassen eigentümlich frei unter „Nazi-Verdacht“ stellen

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Die berüchtigte Amadeu-Antonio-Stiftung war in den letzten Tagen mal wieder starker öffentlicher Kritik ausgesetzt, nachdem bekannt wurde, dass dort unter anderem vor der „Achse des Guten“ sowie „Tichys Einblick“, gegründet von den beiden konservativ-liberalen Journalisten Henryk M. Broder und Roland Tichy, im Lexikonteil der Seite „gegen Rechtsextremismus“ gewarnt wurde.

Im Zuge der Berichterstattung über diese Affäre bin auch ich als Gründer und Herausgeber von eigentümlich frei auf „Netz gegen Nazis“ aufmerksam geworden. Ich konnte gerade noch einsehen, dass wir ebenfalls in diesem seltsamen „Lexikon“ denunziert wurden. Der Eintrag über ef wurde vorgestern wie auch alle Einträge über die „Achse des Guten“ sowie „Tichys Einblick“ gelöscht. Besser späte Einsicht als keine, dürfte man wohl annehmen.

Allerdings wurde im Falle von eigentümlich frei der Eintrag im Register unter „ef-magazin.de“ nicht gelöscht, der Link läuft jetzt lediglich ins Leere. Und vor allem: Ein zweiter, kleinerer Eintrag unter „eigentümlich frei“ besteht sogar noch. Hier wird unsere libertäre Zeitschrift mit falschen Behauptungen übel diffamiert und zu allem Überfluss direkt mit Neonazi-Seiten in eine Reihe gesetzt (Link unten).

Von der Amadeu-Antonio-Stiftung dürfen wir nichts anderes erwarten. Sie steht seit langem unter Stasi-Verdacht. Zuletzt hatte Hubertus Knabe, Direktor der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen, die Debatte um die Vergangenheit von Stiftungschefin Anetta Kahane mit einem Gastbeitrag im „Focus“ befeuert, und auf dem CDU-Bundesparteitag letzte Woche wurde von der Jungen Union beantragt, die Stiftung vom Verfassungsschutz überprüfen zu lassen und staatliche Geldzuwendungen an sie zu stoppen. Kahane und ihrer Stiftung geht es mit ihrer Arbeit „gegen Nazis“ ja gerade gezielt darum, konservative, liberale und libertäre Stimmen in die Nähe von Neonazis zu rücken. So weit, so perfide und bekannt.

Aber als ich mir die Seite genauer ansah, auch den Artikel mit der üblen Hetze gegen ef, fiel mir oben und unten das Signet der Wochenzeitung „Die Zeit“ ins Auge.

Also habe ich die Kollegen, namentlich den Herausgeber Josef Joffe, den Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, den Vorsitzenden der Geschäftsführung Rainer Esser sowie die Leiterin Unternehmenskommunikation Silvie Rundel, gestern angeschrieben und Sie auf die unkollegiale Verleumdung – gibt es in Deutschland schlimmeres als den Nazi-Vorwurf? – unter ihrem Namen aufmerksam gemacht, mit der Bitte, den unter dem Signet der „Zeit“ betriebenen Hass schnell entfernen zu lassen.

Zurück kam eine Antwort der Referentin Johanna Schacht aus offenbar vorgefertigten Textbausteinen, mit dem Hinweis, dass die Artikel von der Amadeu-Antonio-Stiftung alleine zu verantworten seien und ich mich direkt dorthin wenden solle. Hallo?

Dabei hatte ich die Damen und Herren explizit darauf aufmerksam gemacht, dass ich mich nicht an die massiv unter Stasi-Verdacht stehende Stiftung wenden werde. Denn dass „Kulturstalinisten“ (Broder) liberale, konservative und libertäre Andersdenkende als „Nazis“ verleumden, ist leider so alt wie der Kulturstalinismus selbst. Dass aber die angesehene linksliberale Wochenzeitung „Die Zeit“ dies auch nach dem Hinweis auf unglaubliche Textstellen mit ihrem Banner versieht und damit weiter unterstützt, das ist in meinen Augen ein Skandal.

Auf der konkreten Internetseite mit der Hetze gegen eigentümlich frei prangt oben und unten das Logo unserer feinen Hamburger Kollegen. Darunter werden ef und andere alternative Medien wie die konservative Wochenzeitung „Junge Freiheit“ oder der regelmäßig Bestseller produzierende Kopp-Verlag (nebenher der zweitgrößte Online-Buchhändler nach Amazon in Deutschland) in eine Reihe gesetzt mit den einschlägigen Neonazi-Seiten „Altermedia“, Widerstand.info und Kameradschafts-Webseiten. Die Aufzählung wird eingeleitet mit dem Satz: „Ein Überblick, welche rechtsextremen ‚Informations‘-Angebote weiter existieren – und so noch einer Bearbeitung bedürfen.“ ef – „rechtsextrem“? Ist das nicht bereits justiziabel? „Noch einer Bearbeitung bedürfend“? Was sonst als ein Aufruf zur Gewalt gegen mich und meine Mitarbeiter darf man darunter verstehen? Schämt sich denn „Die Zeit“ für gar nichts mehr?

Ich habe Familie, zwei Töchter. Henryk M. Broder und Roland Tichy haben in den letzten Tagen darauf aufmerksam gemacht, dass linke Hetzer danach trachten, ihre wirtschaftliche Existenz zu zerstören. Was soll ich sagen, der ich nicht im Mainstream einigermaßen gut mit abgesichert bin oder war? Was soll meine Familie tun gegen diese unverfrorene Hetze im Namen dieser feinen Kollegen von der „Zeit“?

Wohlgemerkt, es geht hier nicht um Geschmacksfragen: Wer meint, dass ef in seinen Augen nicht libertär sei, sondern „rechtslibertär“, „populistisch“, „rechtspopulistisch“, „rechts“, „neurechts“ oder was sonst so an Modewörtern erfunden wird, der soll das alles schreiben, auch gerne in der „Zeit“. Aber was bitteschön hat eine Warnung vor eigentümlich frei im „Netz gegen NAZIS“ mit der Veredelung durch das Logo der „Zeit“ oben und unten zu suchen? Was hat ef in einer Aufstellung mit Neonazi-Webseiten verloren? Was bedeutet dieser seltsame Satz, wir bedürften einer „Bearbeitung“?

Sogar Jakob Augsteins Linksaußen-Postille „Freitag“ geht der unappetitliche „Kampf gegen rechts“ inzwischen zu weit.

Dort schreibt Richard Zietz vorgestern unter der Überschrift „Die Nazi-Exorzisten“: „Urheber der Bedenklichkeitseinstufung ist die Seite ‚Netz gegen Nazis‘ – die Anti-Rechts-Watchsite der Amadeu-Antonio-Stiftung. Beide, Stiftung und Watchsite, waren bereits im Sommer in die Kritik geraten – aufgrund einer umstrittenen Anti-Hasssprache-Broschüre. Chronischen Übereifer werfen der Stiftung mittlerweile einige vor; konkret: eine Tendenz, das Kind gern mit dem Bad auszuschütten und neben wirklichen Nazis alles mögliche unter Verbots-Verdikt stellen zu wollen.“ Zietz wittert im linken „Freitag“ einen „Hauch von zivilgesellschaftlichem McCarthyismus“ – nur bei der „Zeit“ hält man die unter und über ihrem Signet betriebene Hetze offenbar nach wie vor für unproblematisch.

Sicher, im Eifer des Gefechts geht schonmal „was durch“.

Aber wie können Verleger- und Journalisten-Kollegen so eiskalt sein, hier nicht einzuschreiten, wenn all das deutlich sichtbar in ihrem Namen betrieben wird und sie darauf aufmerksam gemacht werden? Wir haben einiges schon gesehen in den letzten Wochen in diesem Land, in dem die gesellschaftliche Spaltung mit jedem Tag tiefer wird. Aber eine solche Unverfrorenheit hätte ich den Kollegen der „Zeit“ dennoch bis gestern nicht zugetraut.

Wenn ich den Laden hier zumache, weil ich mich, meine Familie, meine Mitarbeiter und unsere Autoren vor all diesem Wahnsinn auch schützen muss, dann dürfen Sie gerne bei den „feinen Kollegen“ der „Zeit“ nachfragen, wie es so weit kommen konnte.

Netz gegen eigentümlich freie Nazis im Namen der „Zeit“

André F. Lichtschlag
Der Autor ist Inhaber und Geschäftsführer der libertären Zeitschrift „eigentümlich frei“ und des Lichtschlag-Buchverlags.

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2 Comments

  1. 1

    Liebe Frau Kablitz, schön, dass ‚Ihr‘ (Juwelen & eigentümlich frei) Euch zum Artikelaustausch im Kampf gegen die linken Meinungs-(Neo)Faschisten entschlossen habt. Möchte es als Ansporn nehmen, ‚meine Leute‘ auf diesen katastrophalen Mißstand aufmerksam zu machen.

    Trotzdem und erst recht, einen schönen dritten Advent!

  2. 2

    Ich hatte „eigentümlich frei“ vor etlichen Jahren im Abonnement. Jeden Monat kam ein Heft und Herr Lichtschlag sammelte damals noch Geld bei den wenigen Abonnenten. Ich hatte damals eine Beteiligung angeboten, geantwortet wurde leider nicht.
    Das Monatsmagazin an sich ist gut, aber durch die vielen unpolitischen Beiträge wirkt das Ganze irgendwie langatmig und weichgespült. Verlag und Magazin würde ich als „rechtsliberal“ einordnen.
    Also etwa das Gegenteil zur „linksliberalen“ Wochenzeitung „Zeit“.
    Aber rechtsradikal und „nazistisch“ ist es mit Sicherheit nicht. Sogar Herr Henkel (früherer BDI Vorsitzender) beschrieb in regelmäßigen Kolumnen seine Schwäche für amerikanischen Jazz.
    Ich fürchte, diese linksradikale Stiftung (diese bekommt regelmäßig Geld von der Merkelregierung) hat ein intellektuelles Problem. Denn da der Nationalsozialismus 1945 unterging und eine Nachfolgepartei nicht existiert, kann es einen „Nazismus“ heute nicht mehr geben.
    Die NPD ist sicher rechtsradikal, aber eben nicht nazistisch. Das ist ein gewaltiger Unterschied.
    „Eigentümlich frei“ ist viele Meilen davon entfernt. Aber das Magazin ist intellektuell- und das ist es was den Dumpfbacken aufstößt.
    Linke unterscheiden leider kaum; für die sind alle Katzen entweder schwarz oder weiß.

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