Zum 5. Todestag – In memoriam Roland Baader

Roland Baader (1940-2012)

Ich habe sie fast alle verschlungen – die Bücher dieses geistreichen und eloquenten Mannes, dessen Klarheit in der Sprache nur allzu oft zu meinem Seelenfrieden beigetragen hat. Ich habe die Bücher des Mannes verschlungen, der mir – und das wird für alle Zeit so sein – „das Leben“ gerettet hat. Ein Leben,  das bis zur ersten Lektüre, die aus dem Zufall entstanden war, geprägt war von sozialistischen Gedankenwelten und pseudogutmenschlichen Geistesverwirrungen, die ich zwar tief in meinem Herzen ablehnte, ja verabscheute, aber noch nicht wusste, warum dies so war.

Roland Baader hat nicht nur mein Herz tief berührt, er hat auch meinen Verstand auf Vordermann gebracht und mir die Erklärungen geliefert, auf die ich lange vergeblich gewartet hatte.

Mein unter oberflächlichen Begrifflichkeiten verschüttetes und viel zu häufig verratenes und dem Mainstream angepasstes „Freiheits“-gefühl wurde durch Roland Baader zu tatsächlichem Leben erweckt. Mit ihm tauchten sie alle auf – die liberalen Denker und die libertären Streiter. Die Gesichter, die ich vorher nicht gekannt hatte und die nun wie selbstverständlich in mein Blickfeld traten und endlich dem sozialistischen Gemurkse in all seinen gruseligen Ausprägungen die abgrundtief hässliche Fratze verpassten, die er verdient. Die und keine andere!

Diejenigen, die sich die Frage stellen, wie es sein kann, dass der Sozialismus trotz all seiner menschenverachtenden Mechanismen nicht tot zu kriegen ist, werden in seinen  Werken unzählige Gründe genannt. Diejenigen, die behaupten, der Sozialismus sei nur noch nicht richtig umgesetzt worden, sollten sich die Frage stellen: Wie denn noch außer in den geschätzten drei Dutzende Schattierungen und in unzähligen Menschenversuchen in der Vergangenheit?

Denjenigen, die immer noch glauben, dass die Industrialisierung Not und Elend gebracht hat, wird der Spiegel der Moralarroganz vorgehalten, diejenigen, die dem Kapitalismus immer wieder an den Hals wollen, erklärt, was Kapitalismus eigentlich ist. Und wohin uns der Sozialismus führt, wenn wir dessen vermeintliche Medizin nicht als das todbringende Quacksalbertum entlarven, das es in Wirklichkeit ist.

Roland Baaders Werke MUSS grundsätzlich jeder lesen. Leider werden es wahrscheinlich nur die tun, die eh schon auf einem guten Weg der Erkenntnis sind. Die anderen werden es ignorieren oder verleugnen – dieses Mittel wurde immer benutzt, um sich unter keinen Umständen mit dem Beton im Kopf auseinanderzusetzen. Sie werden nach wie vor behaupten, dass der Sozialismus ein probates Mittel zum Wohlsein der Menschheit sei.

Dies kann aus zweierlei Gründen geschehen: Zum einen, wenn sie unmittelbare Profiteure dieses Systems sind (immerhin sind schon über 50 % der Bevölkerung von Staatsleistungen abhängig) oder aber sie wollen an die Macht. Denn nirgendwo lässt sich Macht besser ausüben als in einem Volk, das unfähig ist, auf eigenen Beinen zu stehen. Nirgendwo lässt sich Macht besser ausüben als da, wo Menschen mit ihrem eigenen Geld gegängelt, kontrolliert und bevormundet werden und dies auch noch richtig klasse finden. Nirgendwo lässt sich Macht besser ausüben als in einer Gesellschaft, die Leistung für etwas Unmoralisches hält und Leistungsträger für ihren Fleiß und ihre Mühen bestrafen will, weil sie selbst zu kaum noch etwas fähig und/oder willig ist. Nirgendwo lässt sich Macht besser ausüben als in einer Gesellschaft, wo Menschen sich zu ihrer Mittelmäßigkeit nicht bekennen müssen, sondern jeden als Egoisten denunzieren dürfen, der sein Leben besser in den Griff bekommt und sich weder moralisch noch finanziell zur erpresserischen Abgabe seines Ertrages zwingen lassen will, in einer Gesellschaft, die sich lieber im Selbstmitleid suhlt und die Schuld ständig bei anderen (bevorzugt den Reichen) sucht als die Ärmel hochzukrempeln und den selbsterschaffenen Gefängniswärtern gepflegt in den Allerwertesten zu treten.

Roland Baader war ein größerer Menschenfreund als jeder Maulheld-Sozial-Priester, an denen wir uns seit Jahrhunderten „erfreuen“ dürfen und der vor allem darin gut ist, das Geld anderer Leute zu verteilen. Es liegt an jedem Einzelnen selbst, dies zu erkennen und die notwendigen Konsequenzen daraus zu ziehen.

Und so stellen sich Fragen: Wer wollen wir sein? Was wollen wir sein? Sind wir nicht zu mehr fähig als in der Opferrolle Sozialleistungen abzugreifen? Sind wir nicht zu mehr fähig als permanent weinerlich zu plärren: „Das steht mir zu!“ Sind wir nicht zu mehr fähig als unsere Alltagsprobleme und Wohlstandsstreitigkeiten über neue, gesetzliche Verbote zu regeln? Wer sind wir?

Leider – und dies ist wirklich wirklich! bitter für mich – habe ich Roland Baader nicht mehr persönlich kennenlernen können… Aber ich hatte das Glück, seine Bücher entdecken zu dürfen. Hierfür bin ich aufrichtig dankbar. Roland Baader hat mein Leben in unglaublicher Weise bereichert. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass er auch das Leben vieler weiterer Menschen positiv beeinflussen wird. Man muss ihn nur lesen! Jede Seite ist es wert!

Zu Ehren von Roland Baaders Schaffen erscheint die Hommage an die Österreichische Schule in 2. überarbeiteter Auflage „Bis zum letzten Atemzug“ am 08. Februar 2017. Das Buch kann bereits jetzt vorbestellt werden.

Schon zur JUWELEN-Buchparty angemeldet? Auch dort wird das Buch vorgestellt.

 

Susanne Kablitz
Die Autorin ist Inhaberin des Juwelen-Verlags und Chefredakteurin des Juwelen-Magazins. Sie ist Autorin des Buches „Bis zum letzten Atemzug“ und Mit-Autorin von „Der Freiheit verpflichtet“.

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5 Comments

  1. 1

    An dieser Stelle passen Einladung und Hinweis auf das Roland-Baader-Treffen 2017 am 18. Februar in Waghäusel-Kirrlach – wenige Tage nach seinem 77. Geburtstag.

    In diesem Jahr mit Vorträgen von Prof. Dr. Gerd Habermann und Roland Nef

    Hier die Einladung:
    http://www.roland-baader.de/roland-baader-treffen-2017/

    Ich komme bestimmt, wer noch, vielleicht Sie, liebe Frau Kablitz? Ich würde mich sehr darüber freuen (-:

  2. 3

    Wie bin ich auf Roland Baader aufmerksam geworden? Ich kann mich nicht mehr erinnern,…oder doch…hab mal
    ein Bild von ihm gesehen in der „Hauptstrompresse“ glaube ich, alter Mann, „grantiges“ Gesicht, HOSENTRÄGER?!
    Was ist das für ein „Spießer“.
    Dann ist mir sein Buch Geld, Gold, Gottspieler, vom Himmel in die Hände gefallen. Seitdem hat sich mein Denken und
    meine Weltansicht um 360 Grad gedreht. Jedoch, kaum jemand aus meinem Umfeld versteht was Sache ist.
    Dies ist manchmal sehr frustrierend und traurig….
    Doch, weiter gilt, Kopf hoch und das Feuer Roland Baaders für die „Austrians“ weiter zu verbreiten.
    Bernhard

  3. 4

    Werte Frau Kablitz,

    einmal mehr ein herzliches Dankeschön für einen geistreichen, eloquenten Artikel aus Ihrer Feder, hier die wunderbare, herzerfrischende Hommage an den wohl größten und wortgewaltigsten Freiheitsdenker des deutschen Sprachraums seit Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek!

    Was mich vor ca. 14 Jahren auf die libertäre Fährte gebracht hat:
    a) Die ehem. Webseite liberty.li von Rahim Taghizadegan, dem Gründer und Leiter des scholarium in Wien, mit dem ich seit Jahren gut bekannt bin
    b) Artikel von HHH (Hans-Hermann Hoppe)
    c) und last but not least Artikel von Roland Baader

    Ich freue mich, Sie bei der Buchparty persönlich kennenzulernen (und wohl auch einige andere sehr interessante Leute). Und ja, auch beim Roland-Baader-Treffen bin ich heuer erstmals, schade, dass Sie da nicht können.

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