Die Comprachicos des Geistes

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Der homosexuelle Blogger Milo Yiannopoulos musste von einer Veranstaltung durch die Polizei zwangsevakuiert werden, nachdem er sich geweigert hat, sich als Schwuler für linke Ideologien instrumentalisieren zu lassen.

Man könnte meinen, dass das „Land of free“ gestern war, dass die Freien und Mutigen von den Linksideologen gewaltsam niedergerungen werden, dass deren totalitäre Ideologie nur einen Zweck hat: die freie Meinungsäußerung zu vernichten, den verbalen Gegner zu zerstören, das freie Wort zu zerstören. Die Gegner der Aufklärung sollen (wenn es sein muss) nicht nur mundtot gemacht werden, sondern die totalitäre Ideologie soll die Herrschaft über die Gesellschaft übernehmen.

Leider ist diese Erkenntnis jedoch keineswegs neu. Ayn Rand hat bereits in ihrem „Objektivistischen Rundbrief“ im Juli-September 1965 über diese „Lehreinrichtung“ geschrieben und geschildert, dass der Boden für die Saat bereits im Herbst 1964 bereitet worden ist. Das, was wir heute dort – und inzwischen überall im ganzen Land erleben – ist nur die Fortsetzung einer philosphischen Grundeinstellung, der die meisten Menschen moralisch nie etwas entgegenzusetzen hatten. Deswegen konnte sie gedeihen, die Saat immer mehr zur Blüte heranreifen.

Die Grundlage zu dieser Saat beschreibt Ayn Rand in ihrem Buch „Return of the Primitive“, das im Kapitel „The Comprachios“ einem den kalten Schweiß über den Rücken jagt. Hier ein Auszug der deutschen Übersetzung von Philipp Dammer.

„Die Comprachicos oder Comprapequenos waren eine grauenhafte und merkwürdige umherschweifende Gesellschaft, die im siebzehnten Jahrhundert berühmt, im achtzehnten vergessen war, und heute kennt sie niemand mehr… Comprachicos ist ebenso wie Comprapequenos ein zusammengesetztes Wort spanischer Herkunft und bedeutet ‚Kinderverkäufer’. Sie kauften und verkauften Kinder! Sie stahlen sie nicht etwa, nein, durchaus nicht. Der Kinderraub ist eine andere Industrie.

Und was machten sie aus diesen Kindern?
Ungeheuer!
Warum Ungeheuer?
Zum Vergnügen!

Das Volk will lachen; die Könige auch. Der Straßenpöbel braucht seinen Hanswurst; aber auch das Königsschloss muss seinen Narren haben…

Um aus einem Menschen ein ordentliches Spielzeug zu machen, muss er früh umgeknetet werden. Von klein auf muss man damit anfangen, wenn man einen Zwerg erhalten will…

Aus dieser Erkenntnis entstand eine Kunst. Es entstanden die Abrichter. Man nahm einen gesunden Menschen und machte eine Missgeburt daraus. Man nahm ein Gesicht und formte daraus eine Fratze. Man hemmte das Wachstum, man versteinerte die Gesichtszüge. Diese künstliche Herstellung von Merkwürdigkeiten hatte ihre Regeln. Es wurde eine förmliche Wissenschaft daraus, eine Verkehrung
der Orthopädie in ihr Gegenteil. Wo Gott einen geraden Blick gegeben hatte, wurde ein Schielen daraus. Wo Gott Vollkommenes geschaffen hatte, verwandelte man es in Unzureichendes. Wo Gott harmonische Schönheit verliehen, machte man eine Verzerrung daraus, und in den Augen der Kenner war dies erst die wirkliche Vollendung…

Das Herabwürdigen der Menschen führt dazu, dass man ihn entstellt. Man vervollständigte die Aufhebung seines natürlichen Zustandes durch die Verunstaltung…

Die Comprachicos besaßen die Kunst, zu verunstalten. Das empfahl sie der Staatsgunst. Verunstalten ist besser als töten. Wohl besaß man die eiserne Maske; aber das ist ein grobes Mittel. Man kann nicht ganz Europa mit eisernen Masken bevölkern, während nichts Augenfälliges darin liegt, wenn verunstaltete Narren in den Straßen umherlaufen. Des Weiteren lässt eine eiserne Maske sich herunterreißen, eine Maske aus Fleisch nicht.

Kann es etwas Geistreicheres geben, als dich für immer mit deinem eigenen Antlitz zu maskieren?…

Die Comprachicos nahmen dem Kinde nicht allein sein Gesicht, sondern sie beraubten es auch seiner Erinnerung, wenigstens soweit es anging. Das Kind war sich der erlittenen Verstümmelung nicht bewusst. Wohl hinterließ diese fürchterliche Verstümmelung Spuren in seinem Gesicht, nicht aber in seinem Geist. Höchstens erinnerte es sich, dass es eines Tages von Menschen aufgegriffen worden und dann eingeschlafen war, und dass man es späterhin kuriert hatte. Wovon kuriert? Davon wusste es nichts mehr. Brandwunden durch glühenden Schwefel und Schnitte mit dem Messer – dessen erinnerte es sich nicht.

Die Comprachicos schläferten die kleinen Dulder vermöge eines betäubenden Pulvers, das für ein Zaubermittel galt und den Schmerz ertötete, während der Operation ein… In China hat man seit undenklichen Zeiten viel Fleiß auf eine Industrie verwendet: die Modellierung des lebendigen Menschen.

Man nahm ein zwei- oder dreijähriges Kind und steckte es in ein mehr oder weniger merkwürdiges Porzellangefäß ohne Deckel und Boden, sodass Kopf und Füße frei blieben. Tagsüber hielt man es
aufrecht in stehender Lage, nachts legte man es hin, damit es schlafen konnte. So wuchs das Kind, ohne größer zu werden, und füllte mit seinem zusammengepressten Fleisch und den verrenkten Knochen die Wandungen des Gefäßes aus. Dies Wachsen in der Flasche dauerte mehrere Jahre lang, bis zu einem bestimmten Zeitpunkt, wo keine Hilfe mehr möglich war. Glaubte man dann die Missgestalt gelungen und fertig, so zerschlug man das Gefäß. Das Kind kam heraus und man hatte einen Menschen in der Form eines Topfes.“ (Victor Hugo: „Der lachende Mann“)

Victor Hugo schrieb dies im 19. Jahrhundert. Sein erhabener Geist konnte sich nicht vorstellen, dass eine so unaussprechliche Form der Unmenschlichkeit je wieder möglich sein würde.

Das 20. Jahrhundert bewies das Gegenteil.

Die Produktion von Ungeheuern – hilflosen, verrenkten Ungeheuern, deren normale Entwicklung gehemmt wurde – findet überall um uns herum statt. Aber die modernen Erben der Comprachicos sind schlauer und subtiler als ihre Vorgänger: Sie verstecken sich nicht, sie betreiben ihr Gewerbe offen; sie kaufen die Kinder nicht, die Kinder werden ihnen gebracht; sie benutzen nicht Schwefel oder Eisen, sie erreichen ihr Ziel, ohne auch nur Hand an ihre kleinen Opfer zu legen.

Die alten Comprachicos versteckten die Operation, zeigten aber ihre Resultate; ihre Erben haben den Prozess umgekehrt: Die Operation ist offen, aber die Resultate sind unsichtbar.

In der Vergangenheit hinterließ dieser furchtbare Eingriff Spuren auf dem Gesicht des Kindes, nicht aber in seinem Kopf. Heute hinterlässt sie keine Spuren auf seinem Gesicht, sondern in seinem Kopf. In beiden Fällen ist sich das Kind der erlittenen Verstümmelung nicht bewusst. Aber die heutigen Comprachicos benutzen keine betäubenden Pülverchen: Sie nehmen ein Kind, bevor es sich der Realität völlig bewusst ist und lassen es diese Fähigkeit nie entwickeln. Wo die Natur ein normales Gehirn geschaffen hatte, schaffen sie mentale Zurückgebliebenheit. Nichts kann einfallsreicher sein, als einen Menschen mittels seines eigenen Gehirns lebenslang  bewusstlos zu machen. Dies ist der Einfallsreichtum, der von den meisten der heutigen Pädagogen praktiziert wird.

Sie sind die Comprachicos des Geistes.

Sie stecken ein Kind nicht in eine Vase, damit sein Körper sich an deren Konturen anpasst. Sie stecken es in einen „progressiven“ Kindergarten, um es der Gesellschaft anzupassen. Die progressiven Kindergärten beginnen mit der Erziehung im Alter von drei Jahren. Ihre Auffassung von den Bedürfnissen eines Kindes ist militant anti-kognitiv und anti-begrifflich. Ein Kind in diesem Alter, so
behaupten sie, sei zu jung für kognitives Training; sein natürliches Verlangen sei nicht Lernen, sondern Spielen. Die Entwicklung seines Begriffsvermögens, so sagen sie, sei eine unnatürliche Belastung, die ihm nicht aufgebürdet werden solle; es sollte frei sein, nach seinen spontanen Trieben und Gefühlen zu handeln, um seine unterbewussten Wünsche, Feindseligkeiten und Ängste auszudrücken.

Das primäre Ziel eines progressiven Kindergartens ist „gesellschaftliche Anpassung“; dies soll mittels  Gruppenaktivitäten erreicht werden, in denen vom Kind erwartet wird, sowohl „Selbstverwirklichung“ (indem es alles tun darf, wonach es sich fühlt) als auch Gehorsam der Gruppe gegenüber zu entwickeln. (Die Grundlagen der progressiven Kindergärten im Vergleich zur Rationalität der Montessori-Kindergärten präsentiert der Artikel „Die Montessori-Methode“ von Beatrice Hessen in The Objectivist, Mai-Juli 1970.)

„Gib mir ein Kind für die ersten sieben Jahre“, so sagt eine den Jesuiten zugeschriebene Maxime, „und danach kannst Du mit ihm machen, was Du willst“.

Dies trifft mit seltenen, heroischen Ausnahmen auf die meisten Kinder zu. Die ersten fünf oder sechs Jahre des Lebens sind unersetzlich für ihre kognitive Entwicklung. Sie bestimmen nicht den Inhalt des Geistes, sondern dessen Funktionsmethode, seine Psycho-Epistemologie. (Psycho-Epistemologie ist das Studium der kognitiven Prozesse vom Aspekt der Interaktion zwischen dem bewussten Verstand und den automatischen Funktionen des Unterbewusstseins.)

(…)

DAS ist es, DAS ist die Grundlage zum Elend. Und kaum einer will es lesen oder hören. Lieber opfern die „Nicht-Ideologen“ ihre eigenen Kinder.

 

 

Susanne Kablitz
Die Autorin ist Inhaberin des Juwelen-Verlags und Chefredakteurin des Juwelen-Magazins. Sie ist Autorin des Buches „Bis zum letzten Atemzug“ und Mit-Autorin von „Der Freiheit verpflichtet“.

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